Bruderschaft II, § 622

Urusvati weiß, dass hohe, verfeinerte Einfachheit ein guter Weg zum Überirdischen ist. Einfachheit bedeutet Erkenntnis und erfolgreiches Voranschreiten. Luxus bedeutet Fäulnis und Zersetzung. Die Geschichte gibt dafür Beispiele in verschiedenen Epochen. Unermüdlich Schaffende sind einfach in ihrem Alltagsleben, doch haben sie nichtsdestoweniger Einfluss auf die gesamte Umgebung. Jeder Tatmensch gibt ungewollt die Ausstrahlung seiner Bestrebungen ab, doch muss man es lernen, ein weises Maß seiner Bedürfnisse zu finden. Fanatismus jeglicher Art ist nicht die richtige Lösung. Man darf niemanden mit Gewalt von der Notwendigkeit der Einfachheit im Leben zu überzeugen suchen. Sie muss mit dem Gefühl der Harmonie einhergehen. Man muss es tiefgreifend verstehen, dass es nicht nützlich ist, mit seiner Einfachheit zu prahlen. Sie muss sich ganz natürlich ergeben. Wir erinnern oft an die Natürlichkeit der Errungenschaften. Sie verleiht Ruhe, abseits jeglichen Neides und der Nachahmung unsinniger Gewohnheiten. Mögen gewisse Völker auch annehmen, Luxus sei ihre Bestimmung – oder besser gesagt – ihr Schandmal. Ein Leben voller Fäulnis kann nicht lange währen. Nicht nur einmal war es nur einer einzigen Generation vergönnt, solche vergiftete Luft einzuatmen. So wurden nicht Luxus, sondern letzten Endes die Leichenwagen bestätigt! Der Denker sprach: ‘Wenn das Gewand zerrissen und verschmutzt ist, kann man das Einfachheit nennen? Wenn die Worte grob und beleidigend sind, kann man dies Einfachheit nennen? Wenn das Denken Böses und Hinterlist birgt, kann man das Einfachheit nennen?’

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