Bruderschaft II, § 615

Urusvati weiß, wie behutsam man die Last auswählen muss, die der Überirdischen Welt ziemt. Ich will an dieser Stelle einige Zeilen aus dem Traktat ‘Über die große Grenze’ eines griechischen Philosophen anführen: ‘Stellt euch ein Schiff vor, das einen Sturm durchfährt. Der Steuermann gibt Befehl, sofort die Boote zu besteigen. Die Menschen zeigen deswegen Entsetzen, weil sie darin gehindert sind, ihre Kostbarkeiten mit sich zu nehmen. Sie haben vorher nicht darüber nachgedacht, was das Bedeutsamste aus ihrer Habe ist. Sie quälen sich und ergreifen in der Eile die unnötigsten Dinge. Viele kommen um, da sie nicht entscheiden können, was ihnen am nötigsten ist. Doch einer der Reisenden nimmt unverzüglich ein kleines Kästchen unter sein Gewand, und es gelingt ihm, sich zu retten. Seit langem schon hatte er über das Wichtigste nachgedacht, da er sich auf die Große Grenze vorbereitete. Doch die Lehre vom Überirdischen kann jeden davon überzeugen, dass man in der Lage sein muss, die Grenze mit einer würdigen Last zu überschreiten. Es ist zu spät, daran zu denken, wenn man das letzte Schiff schon betreten hat.’ Ich führe diese Zeilen an, um erneut daran zu erinnern, dass Denker seit alten Zeiten die Menschen von der Notwendigkeit zu überzeugen suchten, das Dasein klar zu erkennen. Sie wussten, dass das herrliche ewige Leben voller Grenzen ist, die man würdig überschreiten muss. Von diesen Grenzen gibt es so viele, dass man ständig lernen muss, sie zu überschreiten. Doch Wir sehen, dass sogar belesene Menschen sich dies nicht zu Herzen nehmen. Urteilt selbst – kann man sich selbst für wissend halten und zum Schaden von Mitarbeitern übel reden? Ich sehe nicht, dass diese dünkelhaften Menschen die Grenze erkennen würden. Der Denker sprach: ‘Glücklicherweise brauchen wir für die wichtigste Last keine Helfer.’

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