Bruderschaft II, § 602

Urusvati weiß, dass im Wechsel der Arbeit Erholung besteht. Doch lasst uns inmitten verschiedener Arbeiten jene gedankliche Arbeit nicht vergessen, die die Vorstellungskraft, die Phantasie entwickelt. Wir Selbst sind ständiger gedanklicher Übung nicht enthoben. Ein oberflächlicher Beobachter würde vielleicht denken, Wir befänden Uns im Schlaf, wenn Wir inmitten der Arbeit die Augen schließen und das Denken im Reich der Phantasie wandern lassen. Dieser Augenblick hat eine große Bedeutung, denn die vorgestellten Bilder werden Realität werden. Wir vermögen nicht zu entscheiden, wann diese Realisierung eintreten wird, doch sie wird sein und wird der Menschheit helfen. Glaubt nicht, dass diese gedankliche Arbeit nur besonderen Wesen obliege. Jeder vermag seine Vorstellungskraft, seine Phantasie zu entwickeln, doch auch hierbei muss eine wichtige Bedingung beachtet werden. Es ist gut, wenn ein Mensch schöne Vorstellungen hegt; wenn er jedoch Hässlichkeit erzeugt, so wird unnennbarer Schaden entstehen. Daher muss man in schöner Weise denken. Die Natur vermittelt uns dazu ausgezeichnete Bilder, doch wenn jemand nicht imstande ist, die Natur zu betrachten, möge er sich in Kunstwerke vertiefen, da die Künstler in ihnen eine Synthese ihrer Beobachtungen zum Ausdruck gebracht haben. Lernt es auch, euch auf die besten Werke zu konzentrieren, da ihr anderenfalls auf Hässliches stoßen werdet, ja sogar auf Erzwungenes! Wir bemühen Uns, den Künstlern zu helfen. Nicht selten geraten sie unter den Einfluss von unsichtbaren Spöttern, die sich über jede Hässlichkeit freuen. Studiert die Kunst in verschiedenen Epochen. Mögen die Menschen verstehen, wie sehr das künstlerische Schaffen in Blütezeiten auf Synthese beruhte. Der Denker zeigte Begeisterung angesichts von genialer Skulpturen und sprach: ‘Im irdischen Leben haben wir solche vollkommenen Formen nicht angetroffen, doch hat der Bildhauer sie seiner Phantasie entnommen und für die Zukunft geschaffen.’

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