Bruderschaft II, § 57

Urusvati wird mit Uns gemeinsam sagen: Versteht es, gut zu sein. In diesem einen Wort ist eine ganze Weltanschauung enthalten. Es ist unmöglich, einen ähnlichen Begriff anzuführen, der so sehr entstellt wurde wie dieser. Von tatenloser Scheinheiligkeit bis zu unverhüllter Grausamkeit findet alles seinen Platz unter der Maske des Guten. Man muss es wahrhaft verstehen, auf eine Art gut zu sein, die nicht nur uns selbst, sondern auch für die anderen nützlich ist. Wir senden Gedanken über das Gute, die Arbeit und die Tat. Das Gute kann nicht ohne die Tat existieren. Das Gute wird nicht herrschen, wo es keine Arbeit gibt. Das Gute wird es nicht geben, wenn man sich dem Bösen nicht widersetzt. Es wird kein Platz für das Gute sein, wenn wir nicht die Verantwortung übernehmen, das Böse klar zu erkennen. Lasst uns die Verwesung wahrnehmen und es nicht versäumen, das Licht einzubringen. Schön ist jenes Wort, welches sagt, dass vom Hineintragen des Lichts die Finsternis durchleuchtet wird. Doch man muss das Licht hineintragen, und eine solche Tat wird bereits voller Selbstaufopferung sein. Licht erhellt auch furchterregende Ungeheuer. Natürlich werden sie sich auflösen, doch es wird Augenblicke geben, in denen sie sich mit dem abscheulichsten Gesicht zeigen werden. Solche Augenblicke muss jeder Lichtträger durchleben. Er darf seinen Schritt nicht verlangsamen und muss das Ungeheuer kühn betrachten. Es wird jedoch absolut kein von Furcht bestimmter Verrat sein, wenn der Lichtträger dann die Augen abwendet in der Hoffnung, dass das Licht das Ungeheuer beseitige. Nicht nur das Licht, sondern die uranfängliche Energie wird den Schlag versetzen, der die Finsternis vernichtet. Ihr habt bereits erfahren, dass Wir den Pfeil erst im letzten Moment senden. Dies muss man verstehen und wissen, wo sich die letzte Grenzlinie befindet. Für alle Entscheidungen muss man die Verantwortung selbst tragen. Die Menschen fliehen vor ihnen mit aller Kraft, und dadurch sind solche Kämpfer unzuverlässig. Wir erproben jeden Mitarbeiter, doch wenige sind es, die solch eine Aufgabe freudig annehmen. Man weicht aus und versucht, sich zu verbergen, wenn die Stunde der Enthüllung anbricht. Möge sich erweisen, wer gut und wer böse ist. Möge sich erweisen, wer zur Tat bereit ist und wer das träge Halbdunkel vorzieht, von dem es nicht weit bis zur Finsternis ist. Unsere Gemeinschaft ist überaus friedliebend, doch bereit zum Kampf für das Gute. Wir besitzen umfangreiche Kenntnis davon, wann die finsteren Verräter neue Angriffe beginnen werden. Doch für jeden Gegenschlag muss man die beste Stunde auswählen. Erneut gelangen wir zu den karmischen Gesetzmäßigkeiten. Jede Handlung hängt von etwas Vergangenem ab, und die Folgewirkung wird inmitten nebensächlicher Umstände ihren Verlauf nehmen. Es ist unerlässlich, sie zu erkennen und dementsprechend seine Taten zu gestalten. Ich spreche deshalb davon, weil viele meinen, dass Wir das Karmagesetz missachten könnten. Es bedarf vieler Voraussetzungen, um Folgen zu vermehren oder zu verringern. So werden Wir auf der Wacht stehen, damit das Gute keinen Schaden erleide.

‹ § 56 · Inhaltsverzeichnis · § 58 ›