Bruderschaft II, § 568

Urusvati weiß, dass eine unentwickelte Vorstellungskraft dem Vervollkommnungsprozess überaus schadet. Unter Vorstellungskraft verstehen die Menschen etwas Unwirkliches, doch dient eine richtig entwickelte Vorstellungskraft tatsächlich der Erweiterung des Bewusstseins. Sie fördert die Aufnahmefähigkeit und Beweglichkeit des Denkens. Wenn den Menschen irgendeine Mitteilung zu Ohren gekommen ist, unterstellen sie gewöhnlich ihr eigenes, egoistisches Verständnis. In dem Maße, wie sie sich mit ihren illusionären Deutungen beschäftigen, befindet sich ihre Fähigkeit zu begreifen in einem ungeordneten Zustand. Doch bei ungeordneter Vorstellungskraft werden auch die Deutungen der Mitteilungen und Geschehnisse entsprechend begrenzt sein. Die Menschen nehmen an, Vorstellungskraft sei ein gewisser Zustand, der sie von der Wirklichkeit wegführe, indes erlaubt eine entwickelte Vorstellungskraft, die Wirklichkeit in umfassender Weise aufmerksam zu beobachten. Vergessen wir nicht, dass die Vorstellungskraft eine Aufspeicherung von Erfahrungen vergangener Leben darstellt. Bei auf Erfahrung gegründeter, aufmerksamer Beobachtung kann es keine Trugbilder geben. Ein Mensch mit breit angelegter Bildung sollte auch über eine weitgefasste Vorstellungskraft verfügen. Für ihn verringert sich das Unmögliche, und es tut sich ihm ein weites Blickfeld alles Möglichen auf. Es ist unbegründet, mit Vorstellungsvermögen begabte Menschen als Träumer zu bezeichnen. Der Traum eines erleuchteten Geistes wird reale Vorschau sein. Über die Bedeutung des Vorstellungsvermögens muss man zu einer klaren Übereinkunft gelangen. Dies ist im Jahrhundert der Welterneuerung und der Neueinschätzung der Werte unausweichlich. Man muss die bedingte Bedeutung vieler Begriffe überprüfen, da die Menschen andernfalls zwischen Phantomen umherirren werden. Möge echtes Wissen zum Überirdischen führen. Bei der Überprüfung der Lebensweise muss man mutig entschlossen sein. Der Denker lehrte: ‘Es mag sein, dass Staub in unsere Augen gelangt ist; dann lasst uns das Haus vom Staube reinigen.’

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