Bruderschaft II, § 557

Urusvati weiß, dass der feinstoffliche Körper durch gute Handlungen genährt wird. Viele fassen dies als ein Paradoxon oder eine Ungereimtheit auf. Für sie existiert der feinstoffliche Körper gar nicht, und der Begriff des guten Handelns sei überaus relativ. Gewiss jedoch erstarkt der feinstoffliche Körper durch alles Hohe, und deshalb sind gutes Denken und Handeln so sehr nützlich. Auch die Kunst trägt Augenblicke höchster offenbarter Freude herbei, was für den feinstofflichen Körper überaus stärkende Nahrung bedeutet. Wenn alte Redewendungen von einer Ernährung durch Luft sprachen, so war damit die Einwirkung guter Verbindungen auf den feinstofflichen Körper gemeint. Einige meinen, der feinstoffliche Körper sei unzerstörbar, und irdische Gegebenheiten könnten daher auch keinen störenden Einfluss auf ihn ausüben, doch entbehrt diese Auffassung der realen Grundlage. Der feinstoffliche Körper ist trotz seiner Feinheit eben ein stofflicher, ein materieller Körper. Er vermag Schmerz zu empfinden, kann erstarken und sogar sich zersetzen. Er besitzt sein Eigenleben, und manchmal befindet er sich sogar nicht in Übereinstimmung mit dem grobstofflichen Körper. Inmitten verschiedener Einwirkungen kann gerade der feinstoffliche Körper früher reagieren als der grobstoffliche. Wir sprachen von den sogenannten lebenden Leichnamen. Sie sind im feinstofflichen Körper bereits gestorben, während der grobstoffliche noch lebt. Die psychische Energie befindet sich in solchen Fällen in einem unnormalen Zustand. Mit dem Absterben im feinstofflichen Körper zieht auch sie sich nahezu gänzlich zurück, doch wenn die physische Arbeit des Herzens weitergeht, so bleibt auch die Energie in gewissem Maße mit der sich zersetzenden Hülle verbunden. Man muss verstehen, dass solche Organismen nicht gleichmäßig zu schaffen vermögen und in ethischer Hinsicht absinken. Wir nennen solche Organismen leere Hüllen. Man darf sie jedoch nicht mit Besessenheit verwechseln, die bei Schwächung des feinstofflichen Körpers eintreten kann. Wahrlich, der feinstoffliche Körper nährt sich durch hohe Taten. Der Denker beharrte darauf, dass der Mensch sein Herz durch Musik erneuern müsse. Die Musik wurde als die alle Musen umfassende Sphäre verstanden.

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