Bruderschaft II, § 555

Urusvati weiß, dass die meisten Menschen zur Gedankenübertragung auf Entfernung vollkommen unfähig sind. Sie besitzen sogar nicht einmal eine richtige Vorstellung davon, was gedankliche Konzentration bedeutet, und ihre Gedanken gleichen Schmetterlingen in der Nähe eines Feuers. Sie wollen sich nicht vorstellen, dass Denken durch die alltäglichen Gedankenhüpfer zerschlagen wird und dadurch einer Kakophonie gleicht. Sie wären sehr entrüstet, wenn ein Telegraphist mitten in eine Mitteilung seine eigenen Worte einfügte. Sie wären empört, wenn jemand mitten im Spiel eines Virtuosen dessen Saiten berührte. Aus der Sicht der Zuhörer wäre dies unzulässig. Wenn aber Gedanken durch irgendjemandes unsinnige Ausrufe jäh abgebrochen werden, so wird dies nicht verurteilt, da man noch nicht einmal die Bedeutung der Gedanken überhaupt versteht. Doch muss man erkennen, dass der Gedanke das grundlegende Wesen des Daseins darstellt. Man wird sagen, für Gedankenkonzentration seien irgendwelche besonderen Schulen notwendig. Keineswegs. Jeder Mensch vermag sich in der Gedankenkonzentration zu üben, mit den einfachsten Gegenständen beginnend. Wenn man sich selbst dazu veranlasst, klar zu denken, wenn auch erst nur eine Viertelstunde am Tag, so wird dies bereits gute Folgen zeitigen. Vergessen wir überdies nicht, dass jeder Gedanke von irgendjemandem gehört wird. Ist es nicht beschämend, ein ungeordnetes Denken in den Raum treten zu lassen? Wir sind sehr betrübt, wenn Uns anstelle klarer Gedanken irgendwelche ungereimte Fetzen erreichen. Man muss den Empfänger schonen und versuchen, die Sendung kurz und klar, ohne überflüssige Beifügungen zu gestalten. Ihr selbst entscheidet, was für euch das Wichtigste ist und werdet so die passendste Ausdrucksweise finden. Der Denker lehrte: ‘Wenn ihr das Erhabenste in kurzer Form zum Ausdruck bringen könnt, so tut dies.’

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