Bruderschaft II, § 535

Urusvati weiß, dass die Absonderung von psychischer Energie sichtbar sein kann, und zwar als leichter Dunstschleier oder sogar als Lichtschimmer. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein unerfahrenes Auge diese Erscheinungen nicht zu bemerken vermag. In der Regel sind die Menschen nicht in der Lage zu erklären, weshalb viele psychische Erscheinungen in unerwarteten Situationen sichtbar sind, sich indessen bei angespannter Erwartung nicht zeigen. Doch mögen die Menschen sich vergegenwärtigen, wieviele äußere Energien sie umgeben und auf sie einwirken. Wir können Uns an viele Fälle erinnern, da die Menschen offenkundigste Zeichen nicht anerkannten und sie auf die egoistischste Weise zu erklären suchten. Die Ursache solcher Irrtümer liegt darin, dass die Menschen nicht an die Möglichkeit äußerer Einwirkungen denken, und wenn sie es doch tun, dann nur im Sinne einer Gewalteinwirkung. Zusammenarbeit ist bei einer solchen Denkweise völlig ausgeschlossen. Wertvoll ist jegliche gute Zusammenarbeit, doch besonders kostbar ist psychische Zusammenarbeit. Bis zum heutigen Tag hat man der Bedeutung solcher Zusammenarbeit keine Aufmerksamkeit gewidmet. In gewissen philosophischen Versammlungen war es üblich, sich in tiefe Konzentration zu versenken, doch lief dieser Brauch später auf ein bedingtes, abstraktes Denken hinaus, woraus sich keine gedankliche Zusammenarbeit ergab. Viele Redner können indessen bezeugen, dass ihre Rede mitunter von besonderer Klarheit und Überzeugungskraft war, gerade so als ob eine bestimmte mächtige Energie auf sie einwirkte. Natürlich können überirdische Einflüsse herrschen, doch kann es sich außerdem auch um Denkeinwirkungen von Mitarbeitern und Zuhörern handeln. So könnten die Redner auch bestätigen, dass bisweilen ganze Unterbrechungen ihres Gedankenflusses eintraten, ihnen die Worte entfielen und eine bereits einstudierte Rede sich verflüchtigte. Hierbei hat es sich ebenfalls um die Einwirkung des ungeordneten Denkens der Masse gehandelt. Wir haben jedoch keine Kunde davon, dass Gelehrte solche Einwirkungen untersucht hätten. Wenn schon der Einfluss des Denkens nicht erforscht wird, muss man sich dann wundern, dass überirdische Einwirkungen nicht anerkannt werden? Der Denker lehrte: ‘Lasst uns nicht vergessen, dass wir unsichtbare Freunde und Feinde haben.’

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