Bruderschaft II, § 516

Urusvati weiß, dass jegliche Achtlosigkeit höheren Erscheinungen gegenüber unzulässig ist. Man sollte meinen, dass dieser Hinweis völlig klar wäre, doch ruft er Fehldeutungen hervor. Die Menschen streiten sich darüber, was eine höhere Erscheinung sei. Sie möchten beweisen, dass solche Erscheinungen derart selten seien, dass man ihnen im Leben unmöglich begegnen könne. Auf diese Weise befreien sich die Schlauköpfe von der Suche nach höheren Erscheinungen inmitten des menschlichen Daseins. Doch Weise wissen, dass gerade höhere Erscheinungen inmitten zutiefst irdischer Existenz auftreten können. Sie verstehen, dass sich jeder Mensch in einem Augenblick von Begeisterung schon in einem überirdischen Zustand befindet. Er vermag gerade solche Empfindungen zu verspüren, die an Höherem teilhaben. Ein jeder solcher Zustand stellt eine Wahrnehmung von etwas Überirdischem dar. Er macht den Menschen hellsichtig und hellhörig, nur muss er diese in ihm natürlich vorhandenen Eigenschaften auch erkennen. Einige Denker sind der Auffassung, dass ein beständiger Kontakt mit höheren Erscheinungen höher stehe als eine besondere Erschütterung. Es wäre zu wünschen, dass die Menschen es lernten, ihren Organismus für einen beständigen Verkehr mit Höherem zu verfeinern. Dennoch würde eine einzige starke Erscheinung ihnen zeigen, was Unbegrenztheit der Höchsten Macht bedeutet. Das Gefühl angespannter Aufmerksamkeit verfeinert den Organismus, doch muss auch die Anspannung erprobt werden, die vor dem feurigen Tor entsteht. Erst dann wird der Mensch tapfer. Weisheit ist tapfer, wenn sie auf Erprobung gegründet ist. Niemand vermag für sich selbst zu bürgen, solange er nicht vor die Feurigen Kräfte gestellt wird. So muss man für die Möglichkeit höherer Erscheinungen offen sein und solche Offenbarungen lieben lernen. Jede Achtlosigkeit wird bereits ein Zurückweichen in die Finsternis sein. Der Denker schlug vor, Tapferkeit bei jeder gewöhnlichen Erscheinung zu erproben. Er sprach: ‘Wer tapfer die häuslichen Sorgen zu lösen vermag, der wird auch nicht vor einem Überraschungsangriff erschrecken.’

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