Bruderschaft II, § 505

Urusvati weiß, dass Wir irdische Erfolge mitunter betrauern. Über sogenannte irdische Not kann man sich dagegen freuen. Irdischer Erfolg oder Misserfolg erlangen aus überirdischer Sicht eine völlig andere Bedeutung. In der Feinstofflichen Welt vergisst man irdisches Unglück, doch klar erinnert man sich der Folgen solcher Erschütterungen. Ein verfeinerter Geist wünscht sich auf der Erde Kämpfe und Fortschritte. Für ihn sind jegliche Erschütterungen und Schmerzen nur Impulse für Errungenschaften. Die verfeinerte Natur sucht kein Wohlergehen, da sie zur Vervollkommnung strebt. Es ist falsch zu meinen, dass Leiden auf der Erde als unerlässliche Pflicht auferlegt wären. Die Vervollkommnung ist auferlegte Pflicht, doch disharmonische Bedingungen können verschiedene Schmerzen verursachen. Wie aus einer zu engen Grotte kämpft sich der Mensch zum fernen Licht durch. Wieviele Schrammen und Wunden zieht er sich an scharfen Felsvorsprüngen zu. Welche Aufstiege an glitschiger Felswand stehen bevor, wo er sich an nichts klammern können wird, wenn in ihm keine Vorstellung von der Hierarchie lebt. Wo Gefahr entsteht, eilen Wir zu Hilfe. Nicht selten tritt sie gerade bei irdischen Erfolgen auf. Der Bewertung von Erfolg und Misserfolg liegt ein Maßstab eigener Art zugrunde. Die irdische Umgebung steht allzu nah vor Augen und hindert so, die Folgen klar zu erkennen. Ohne überirdische Betrachtung ist es unmöglich, über das irdische Gleichgewicht zu urteilen. Ihr wisst, wie vielfältig Unsere Hilfe zu sein pflegt. Manchmal halten die Menschen sie für ein Unglück, weil sie die Folgen noch nicht verstehen können. So ist es auch jetzt, da viele die Ereignisse nicht zu fassen vermögen. Doch um das Kostbarste zu retten, muss man auf gewisse Ursachen verzichten. Später wird man nicht mehr wissen, aus welchem Anlass diese Worte gesprochen wurden, und man wird sogar den Begriff des Harmagedons wieder vergessen. Doch ihr wisst, in welch angespannter Stunde Wir sprechen. Allein der überirdische Maßstab vermag das Gleichgewicht zu geben. Als der Denker sah, dass die Mitbürger sich zum Kriege rüsteten, sprach Er: ‘Freunde, denkt nur an die Heimat!’

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