Bruderschaft II, § 483

Urusvati weiß, dass jede Wahrheitsverkündung ihre Feinde haben muss. Das Chaos kämpft mit dem Offenbarten. Über diesen Kampf darf man nicht traurig sein. Er ist nicht allein naturgegeben, sondern auch nützlich. Stellen wir uns eine Verkündigung ohne Feinde vor – sie wird dermaßen als unbedeutend erscheinen, dass sie niemanden zu überzeugen vermag. Die Feinde stellen Prüfsteine dar und bestimmen selbst durch ihre Wut die Bedeutung der Verkündigung. Gerade durch Feinde erwächst viel neue Energie. Ein bedeutender Regent sagte: ‘Heute bin ich sehr erstarkt, denn ein wütender Feind erschien bei mir.’ Man muss die Feinde als Stufen des Aufstiegs ansehen. Jedem von Uns erwuchsen solche Gedanken im Verlauf langer Leben. Wo aber ist die Beschreibung der Bruderschaft? Vor allem in der Beschreibung Unserer Erlebnisse. Wir teilen Unsere Sorgen und Arbeiten mit, um zu zeigen, dass Wir in der Arbeit die Kraft für den zukünftigen Aufbau schöpfen. Das Wesentliche liegt nicht in Zeremonien, sondern in der Arbeit. Es wäre entwürdigend, riefen Wir nicht auch zu der Arbeit auf, die doch Unser ganzes Dasein erfüllt. Das Leben der Bruderschaft ist überirdisches Leben, da es auf das Denken gegründet ist. Was könnte denn überirdischer sein als der Gedanke? Die Menschen könnten ihr grobstoffliches Leben überirdisch gestalten, sie bräuchten nur den Gedanken zur Grundlage ihrer Existenz zu machen. Die Lehre kann auch als Verkündigung des Gedankens bezeichnet werden. Groß ist der Festtag eines Menschen, der sich an das Denken gewöhnt hat. Und Uns ist es leicht, dort zu antworten, wo der Gedanke arbeitet. Man darf nicht meinen, die Antwort käme mit gewohntem Gesicht. Wie oft erfolgt die Antwort in der Entwicklung des Denkens selbst, ein Buch wird wie von selbst aufgeschlagen, und Saiten erklingen. Die Zeichen werden umso verschiedenartiger sein, je weiter das Feld des Denkens ist. Der Denker sprach: ‘Wo ist denn jene Finsternis, in die das Licht des Gedankens nicht eindringen könnte? Die Blumen des Denkens sind schöner als alle irdischen Blumen.’

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