Bruderschaft II, § 480

Urusvati weiß, wie sehr Wir über jede vom Bösen verübte Entstellung bekümmert sind. Man wird sagen: Warum sich bekümmern, ist es nicht besser, die Ausbreitung des Bösen zu unterbinden? So sprechen die Unvernünftigen, die sich nicht vorstellen, wie vorsichtig man dem Bösen Einhalt gebieten muss. Nur der Arzt, der viele Krankheiten aufmerksam studiert hat, weiß, wie notwendig es ist, verschiedene Bedingungen in Betracht zu ziehen, nicht allein im Organismus selbst, sondern auch in dessen Umgebung. Man kann das Böse auch mit einigen Formen von Krebs vergleichen. Der Arzt versteht, dass der Krebs einiger Organe unheilbar ist. Der Arzt weiß auch, dass für eine Operation der allerbeste Moment ausgewählt und der Organismus auf solch eine Erschütterung vorbereitet werden muss. Genau das gleiche, doch in höherem Grade, wird im psychischen Kampf sichtbar. Die Menschen selbst machen sich nicht bewusst, dass in ihnen ein böses Ungeheuer entstanden ist, im Gegenteil versucht jeder Infizierte, sein Leiden zu verheimlichen. Kann man jedoch in das Wesen eines Menschen eindringen, wenn er sich auf jegliche Art solcher Hilfe widersetzt? Es ist richtig gesagt worden: ‘Untersucht jede Sache genau.’ Sind aber viele zu solcher Untersuchung bereit? Die Menschen lieben es nur nicht, über das nachzudenken, was in ihrem Inneren vorgeht, sondern begegnen feindselig jedem Versuch, ihr Denken auf ihr inneres Wesen zu lenken. Die Lehren sagen, dass zur Fortbewegung ein guter Wille notwendig ist. So ist auch die Zustimmung des Leidenden selbst nötig, um das Böse ausmerzen zu können. Uns entsteht über die Bildung eines bösen Ungeheuers deshalb Kummer, da Wir vorhersehen, welch komplizierte Schlacht bevorsteht. Es ist unmöglich, mit einem einzigen Schlage alle Köpfe der Hydra mit dem Schwert abzuschlagen. Es wurde gesagt, dass jeder ihrer Blutstropfen einen neuen Sprössling hervorbringt. Dies bedeutet, Maßnahmen solcher Art ergreifen zu müssen, dass das Ungeheuer des Hungertodes stirbt. Man muss seine Ernährung unterbinden, und es wird verschwinden, indem es sich in eine Prise Asche verwandelt. Solche Vernichtung erfordert jedoch Zeit und günstige Bedingungen. Die Menschen können zu solchen Bedingungen leicht beitragen. Der Denker sprach: ‘Alle sind wir Ärzte, jeder vermag irgendeine Heilung zu vollziehen.’

‹ § 479 · Inhaltsverzeichnis · § 481 ›