Urusvati weiß, dass um den Begriff der augenblicklichen Erleuchtung herum viele Missverständnisse entstanden sind. Die Menschen bilden sich oftmals ein, bereits erleuchtet worden zu sein, wenn sie eine vorübergehende Begeisterung empfanden. Augenblickliche Erleuchtung ist wohl vorstellbar, doch wird sie auf langwährende innere Arbeit gegründet sein. Diese Arbeit kann sogar unbewusst verlaufen, als geistiges Erbe der Vergangenheit, und dennoch vollzieht sie sich und ermöglicht erst die Erleuchtung. Unter Erleuchtung ist kein zufälliges Aufflammen zu verstehen, sondern eine ganze Bewusstseinsstufe. Die Menschen verstehen oft nicht, dass solch eine Stufe unerwartet eintreten kann, wie als Folge eines zufälligen Ereignisses. Gewiss kann ein äußeres Ereignis den Anstoß zur Öffnung eines ‘Lotos’ geben, die Blüte selbst jedoch ruhte bereits in der Tiefe des Bewusstseins. Ein geöffneter ‘Lotos’ wird durch viel Arbeit gezogen, doch oftmals bemerken die Menschen nicht, dass sie den herrlichen Garten bestellen. Nur nach einer fleißigen Aussaat kann Erleuchtung erst wachsen! Ohne Ursachen wird es auch keine Folgen geben. Desgleichen wird oft nicht verstanden, was Feierlichkeit ist. Man mag denken, dass solch erhabener Zustand zufällig eintrete. Nein. Er gestaltet sich als Folge langer Prozesse des Nachdenkens. Wenn er jedoch erstarkt, erweist der Mensch sich als auf einer festen Stufe stehend. Wir schätzen kein rasch vergängliches Aufflammen, sondern das unverlöschliche Brennen. Der Denker lehrte, dass jedem Menschen ein Öllämpchen verliehen sei.