Bruderschaft II, § 450

Urusvati weiß, dass alte Sprichwörter oftmals einen bestimmten wissenschaftlichen Gehalt besitzen. Erst mit der Zeit verloren sie die innere Bedeutung und wurden als äußerliche, kurze Formeln wiederholt. So heißt es zum Beispiel: ‘Der Schlaf ist dem Tod ähnlich’ und niemand denkt daran, dass sich darin eine große Wahrheit verbirgt. Gerade der sogenannte Tod führt den Menschen in die Feinstoffliche Welt, doch auch jeder Schlaf stellt eine Berührung mit ihr dar. Man kann viele Stadien eines solchen Zustandes nennen, doch in jedem von ihnen tritt der Mensch an die Feinstoffliche Welt heran. Einige senden ihren feinstofflichen Körper auf weite Reisen, während andere die feinstofflichen Bereiche nur leicht berühren. Die Ärzte bemerken richtig, dass der Schlaf Erholung bedeutet. Der Schüler sollte wissen, dass jedes Herantreten an die Feinstoffliche Welt schon Erholung für den physischen Körper darstellt. Auf diese Weise haben die Ärzte Recht, wenn sie die äußere Bedeutung des Schlafes bestimmen. Doch dieser äußere Sinn erklärt nicht den inneren, weitaus wichtigeren. Mögen die Menschen im Gedächtnis behalten, dass jeder Schlaf sie an die Feinstoffliche Welt heranführt, jene Welt, die sie für nicht existent halten wollen. Offenkundige Manifestationen feinstofflicher Wesen auf der physischen Ebene werden für Gaunerstückchen von Medien gehalten, doch wollen Wir jetzt nicht auf solche besonderen Phänomene verweisen, sondern auf einen natürlichen, jedem Menschen eigenen Zustand. Wenn die Menschen den Gedanken von der Aufgabe des Schlafes annehmen, werden sie viele Einzelheiten bemerken. In ihren Überlegungen über die Bedeutung des Schlafes verfallen manche solchen Irrtümern, dass sie annehmen, man könnte ohne Schlaf auskommen. Bei einigen Krankheiten schwindet der Schlaf, doch ist solch ein Zustand qualvoll und schädlich. Richtig ist dagegen, dass der Schlaf auf den Höhen verkürzt ist, ohne sich aber ganz zu verlieren. Die Menschen sollten verstehen, dass bei den Besuchen in der Feinstofflichen Welt Begegnungen mit den feinstofflichen Körpern noch Lebender stattfinden können. Oftmals meinen die Menschen, einen Traum gehabt zu haben, doch in Wirklichkeit trafen sie mit den feinstofflichen Körpern Lebender zusammen. Hierbei lässt sich feststellen, dass sich in diesen Begegnungen schon ein gewisses Verständnis der Bedingungen in der Feinstofflichen Welt zeigt. Menschen, die sonst wenig zurückhaltend sind, können sich dort in einem Meinungsaustausch als besonnen und äußerst angenehm erweisen. Im irdischen Leben werden sie es selbst niemals zugestehen, solch ein weitgefasstes Urteilsvermögen zu besitzen. Sie bewahren bestenfalls kleine Splitter der Begegnungen in ihrem Gedächtnis, nehmen jedoch in ihrem Inneren trotzdem ein neues Verstehen der Dinge mit. Solche aus der Feinstofflichen Welt mitgenommenen Lehrstunden erbringen in verschiedenen Lebenssituationen großen Nutzen. Solche Aneignungen von Wissen könnten jedoch in bedeutendem Maße verstärkt werden, wenn die Menschen sich vor dem Eintritt in den Schlaf bewusst machten, dass sie die große Feinstoffliche Welt berühren werden. Machten sie sich wenigstens zunächst äußerlich die Tatsache dieser täglich erfolgenden Annäherung zu eigen, würde die Feinstoffliche Welt sich bereits zu nähern beginnen. Nicht selten wundert sich ein Mensch, im Schlaf Lebende wie Verstorbene gesehen zu haben, doch liegt darin nichts Verblüffendes, da der feinstoffliche Körper, unabhängig von Zeit und Raum, auf die andere Ebene vordringen kann. So raten Wir an, dem Schlaf die Bedeutung einer verfeinerten Reise zu höheren Gebieten beizumessen, wobei jedoch der feinstofflichen Energie kein Zwang angetan werden darf. Der Mensch behält die ihm in der Feinstofflichen Welt begegneten Erscheinungen nur selten im Gedächtnis. Auch wenn der beschriebene Zustand auf natürliche Weise verläuft, möge man dennoch daran denken, dass man während des Schlafes die Feinstoffliche Welt berührt hat. Der Denker sprach: ‘Uns ist es verliehen, in jeder Nacht einen herrlichen Weg zu gehen.’

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