Bruderschaft II, § 42

Urusvati hat in schöner Weise Musikalität in sich ausgebildet. Diese Eigenschaft erweist sich als Folge von viel Arbeit im Leben. Gemäß dem Vermächtnis Platons darf Musikalität nicht nur im engeren Sinne der Musik aufgefasst werden, sondern als Teilhabe an allen harmonischen Künsten. In Musik, Gesang, Dichtung, Malerei, Bildhauerei, Baukunst, Sprechkunst und schließlich in allen Erscheinungen des Klanges wird Musikalität zum Ausdruck gebracht. Dem Erkennen Hellas entsprechend, vollzog sich der Dienst an allen Musen. Die Tragödie, Tänze und alle rhythmischen Bewegungen dienten der Harmonie des Kosmos. Viel spricht man von Schönheit, doch gering versteht man die Bedeutung der Harmonie. Schönheit wird ein erhebender Begriff sein. Jede Darbringung an die Schönheit wird bereits ein Opfer an das Gleichgewicht des Kosmos sein. Jeder, der Musikalität zum Ausdruck bringt, opfert nicht für sich, nicht für andere, nicht für die Menschheit, sondern für den Kosmos. Die Vollkommenheit des Gedankens erscheint als Äußerung schöner Musikalität. Höchster Rhythmus wird auch beste Prophylaxe sein. Er wird zudem eine reine Brücke zu den Höchsten Welten sein. So bestätigen Wir in Unserer Gemeinschaft die Schönheit. Urusvati hat darauf hingewiesen, dass die Sphärenmusik in rhythmischer Harmonie besteht. Gerade diese Eigenschaft führt die Menschheit zu schöpferischer Begeisterung. Die Menschen denken gewöhnlich nicht über solche Quellen schöpferischer Begeisterung nach, doch wenn sie es täten, so würden sie Unsere Arbeit sehr erleichtern. Ihr wisst auch von ungewöhnlichen Musikinstrumenten, die es bei Uns gibt. Urusvati hat sie gehört. Die verfeinerte Tonleiter und den Rhythmus der Schwester O. kann man als höchsten Wohlklang ansehen. Nicht nur einmal hat solcher Gesang der Befriedung der Welt gedient. Sogar die Diener der Finsternis weichen vor der Harmonie des Gesangs zurück. Man muss alle Kräfte, die zur Entfaltung von Musikalität führen, erkennen. Das herzliche Gefühl macht sich nicht in Worten selbst bemerkbar, sondern in deren Klang. In Harmonie wird keine Gereiztheit enthalten sein. Schadenfreude kann dort nicht existieren, wo der Geist sich erhebt. Nicht zufällig wurden im Altertum erzählende Dichtungen in Gesangsform dargebracht, was nicht allein wegen der mechanischen Einprägung, sondern auch zur Anregung schöpferischer Begeisterung geschah. So sind auch Rhythmus und Harmonie die Ursachen dafür, dass Wir nicht ermüden. Musikalität muss man von den ersten Lebenstagen an zur Entfaltung bringen.

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