Bruderschaft II, § 415

Urusvati weiß, dass jeder Lehrer in eine Situation geraten kann, die der Uns’rigen ähnelt. Solange er über die Lebensgrundlagen spricht, wird man ihm zuhören und zustimmen, doch kaum, dass er zur Anwendung des Gesagten aufruft, werden die Zuhörer auseinanderlaufen. Dies ist das Los auch vieler Unserer Ratschläge. Die Menschen werden beipflichten, dass diese Ratschläge vortrefflich seien und zum Guten führten, doch sie im Leben anzuwenden wünschen sie nicht. Auf solche offenkundige Inkonsequenz muss man seine Aufmerksamkeit richten. Wenn etwas als gut und würdig anerkannt wird, warum wird es dann nicht angewandt? Es ließen sich viele Beispiele dafür anführen, dass überaus nützliche und leicht fassliche Taten abgelehnt wurden. Später beklagten die Menschen, dass der Rat nicht ausgeführt wurde, doch das Leben vollzog bereits einen neuen Umlauf. Ein Lehrer wird sagen, dass es nicht lohne, die Vergangenheit zu beklagen, und er wird Recht haben, da Klagen Ketten bedeuten. Doch lässt sich ersehen, welche Gründe von der Anwendung eines guten Rates abgehalten haben. Unter solchen Ursachen werden wir Furcht und Selbstsucht finden. Solche Giftnattern verwandeln den aufmerksamsten Zuhörer in einen ungezügelten Widersacher. In seiner Verneinung entwickelt er eine eigene Art von Kühnheit. Er wird unaufrichtig werden, um sich selbst und seine Abweichung zu rechtfertigen. Unsere Leben haben gezeigt, wie weit Zuhören und Ausführung voneinander entfernt sind. Der Lehrer kennt diese menschlichen Eigenschaften. Er wird sich über die verschütteten Samenkörner nicht grämen, da der Erdboden eine unerwartete Ernte erbringen kann. Wir blicken in die Zukunft und finden in dieser Bestrebung Festigkeit und Tapferkeit. Der Denker wünschte allen Freunden die Fähigkeit, über die Zukunft nachdenken zu können.

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