Bruderschaft II, § 398

Urusvati weiß, dass es neben wörtlichen Gesprächen und Unterweisungen auch gedankliche Hinwendungen gibt, die voll tiefer Bedeutung sind. Unser Gespräch erfordert Konzentration, doch nicht weniger ist dabei auch die gedankliche Sendeweise erforderlich. Es ist viel über Denken und Konzentration gesprochen worden, womit jedoch anfänglich wörtliche Sendungen beschrieben wurden. Jetzt hingegen sprechen wir über eine gewisse Form überaus angespannter gedanklicher Hinwendung, die nicht in Worte umsetzbar ist. Für solche blitzartigen Sendungen sind Worte bereits nicht mehr anwendbar, tätig ist allein die Tiefe des Gefühlswissens, welches aus einer Bewusstseinsansammlung Kraft schöpft. Für derartige Hinwendungen ist keine Zeit erforderlich. Sie können die Vorstufe zu einer Ekstase sein, und es kommt tätige Liebe in ihnen zum Ausdruck. Man kann sich vorstellen, dass eine Hinwendung in Worten unpassend ist, wenn das Wesen des Gedankens entflammt. Zur Erkenntnis solcher Gedankenblitze muss man sich jedoch erziehen. Weder kalte Verstandesüberlegungen noch gezwungene Heuchelei, sondern der gereinigte, unaussprechbare Gedanke trägt den Ruf der Hingabe ans Ziel. Es wurde bereits darüber gesprochen, wie unnötig Bitten um Hilfe sind. Der unaussprechliche Gedanke trägt das Wesen der Hinwendung ans Ziel. Wie herrlich ist die Nähe, die sich im Licht blitzartiger Gedanken offenbart, wenn Schweigen ausdrucksvoller ist als Worte. Der Denker sprach: ‘Unsichtbarer Lehrer, wenn ich Dir meine besten Worte sage, weiß ich, dass die Gedanken der Liebe zu Dir dennoch unaussprechlich sein werden.’

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