Bruderschaft II, § 371

Urusvati weiß, dass der irdische Weg ein Weg der Gefahren und der Vorbereitung auf die Unbegrenztheit ist. Hier treten drei Menschen mit ihren Widersprüchen auf. Der eine fragt: ‘Wo ist denn nun die versprochene Freude? Es ist so viel über Freude gesprochen worden, und jetzt wird sie in unendliche Gefahr umgewandelt. Aber nur der Freude wegen haben wir den Belehrungen zugehört.’ ‘Unwissender’, werden Wir sagen, ‘ist die Überwindung des Chaos etwa keine Freude? Bedeutet es etwa keine Freude, Licht in die Finsternis zu tragen? Wenn jedoch deine Freude eine Freude des Marktes ist, so sind Wir auf deinem Weg nicht mit dir.’ Der andere erklärt böse: ‘Selbst befinden sie sich in Gefahrlosigkeit, aber uns überlässt man irgendeiner jederzeitigen Gefahr.’ ‘Unwissender’, werden Wir antworten, ‘weshalb nimmst du an, Wir befänden Uns in Gefahrlosigkeit? Relativität herrscht in allem. Unsere Gefahren sind dir unsichtbar, doch kann es kein Leben ohne Gefahren geben. Man muss erkennen, dass eine der höchsten Freuden aus der Erkenntnis der Gefahr erwächst. So kann der Mensch beständig Siege erringen und sich dessen freuen.’ Der dritte erhebt seinen Widerspruch und zweifelt an der Unbegrenztheit. ‘Unwissender’, werden Wir ihm antworten, ‘dein Herz versteinerte, als du die Freude über die Unbegrenztheit verlorst. Möge der Mensch erkennen, dass er berufen ist, den unbegrenzten Raum mit dem Gedanken zu sättigen. Das volle Bewusstsein der Unbegrenztheit des Gedankens ist bereits höchste Freude. Stell dir vor, was für ein Garten des Denkens dir gewährt ist, und freue dich der Erkenntnis.’ Auf solche Weise kann man all jenen antworten, die Einwände erheben. Lasst uns dabei nicht vergessen, dass manche Formulierungen nur bedingt verständlich sind. So spricht man zum Beispiel von ‘geistiger Austrocknung’, ohne aber die Entstehung eines solchen Zustandes zu kennen. Er rührt indessen von einer ungleichmäßigen Anspannung her; das Bewusstsein hat sich bereits emporgeschwungen, doch die Zentren vermögen sich noch nicht anzupassen, so dass der Betreffende gewissermaßen keinen Weg findet, sein Bewusstsein zu äußern. Solche Umläufe der Spirale sind unvermeidlich. Der Denker sprach: ‘Heute schien es mir, als ob ich nichts wisse. Dies wird ein gutes Zeichen sein, denn morgen werde ich sicherlich etwas Herrliches erfahren. ‘

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