Urusvati weiß, wie schwierig das Handwerk des Guten ist. So nennen Wir die Kunst beständigen Schaffens im Guten. Man muss in der Lage sein, zufällige gute Gedanken, die in keinem Zusammenhang stehen, von bewusstem Schaffen im Guten zu unterscheiden. Die Menschen selbst erschweren ein Verständnis dessen. Sie denken sich eine Vielzahl von Redewendungen aus, die schwache Geister verwirren. So wiederholen sie: ‘Er ist so gut, dass er nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tut.’ Wir aber sagen: ‘Er tut zwar keiner Fliege etwas zuleide, vernichtet aber nicht die Giftschlange, die einen Mitbruder bedroht.’ Dazu allerdings muss man vorher wissen, welche Fliege harmlos und welche Schlange giftig ist. Die Lehrbücher können dieses Wissen vermitteln, doch muss man es ihnen auch entnehmen. Man muss viel Arbeit aufwenden, um zu verstehen, wo das Gute liegt. Doch um wieviel schwieriger ist es, alle im Menschen veranlagten inneren Antriebe klar zu erkennen. Dabei lässt sich nicht nach äußeren Taten urteilen. Man muss die Ursachen der Handlungen erkennen können. Dafür aber ist es notwendig, die Denker des Altertums zu studieren. Mögen die Zeitumstände auch vollkommen anders gewesen sein, so war der Mensch doch genau dasselbe denkende Wesen. In den Überlieferungen kann vieles ausgeschmückt sein, doch das Wesen der Heldentat ist unerschütterlich geblieben. Wenn wir so die Kunst des Handwerks studieren, wollen wir nicht das Handwerk des Guten vergessen. Es erfordert volles Verantwortungsbewusstsein und die klare Erkenntnis des Lebenssinnes. Wahrlich, die Kunst des Handwerks ist überaus schwer, beschleunigt aber auf dem Weg. Ein Bildhauer mag einen Marmorblock verderben, doch wieviele Herzen vermag jemand zu brechen, der im Schaffen des Guten unerfahren und ungeschickt ist! Allein viel Fleiß kann aus einem Bildhauer einen meisterhaften Künstler machen. Ebenso kann auch nur tiefes Nachdenken das Schaffen des Guten vervollkommnen. Der Denker wurde nicht müde, die Schüler zur Vervollkommnung im Schaffen des Guten zu rufen. Er sprach: ‘Nur wenn der Acker gedüngt wird, gibt er entsprechende Ernte. Das gleiche gilt für das Erkenntnisvermögen der menschlichen Seele.’