Bruderschaft II, § 223

Urusvati weiß, aus welch feinsten Aufschichtungen sich das menschliche Bewusstsein zusammensetzt. Es scheint ohne weiteres klar zu sein, wenn wir hören, dass jeder Lebenswechsel, wie eine Medizin, irgendeine Seite des Menschen heilt, die nicht gesund ist. Aber genauso elementar erscheint die weiße Farbe, in der doch sämtliche anderen Farben in Verwandlung aufgehen. Wir wundern uns, wenn wir die Lebenswechsel beobachten, während derer extreme Gegensätze durchlebt werden; doch ein unzureichend geschliffener Stein wird auch nicht leuchten. So möge jeder daran denken, wie schwer es ist, das Bewusstsein zu vertiefen. Besonders betrüblich ist es, sehen zu müssen, wie leichtfertig Menschen denken, die meinen, bereits verstanden zu haben. Man kann viele Bücher lesen, doch das Lesen allein stellt noch nicht die Verwirklichung dar. Daher raten Wir dazu, die Naturerscheinungen zu beobachten, in denen die gesamte Kompliziertheit vieler Entwicklungsprozesse zum Ausdruck kommt. Der Mensch macht von den Aufspeicherungen früherer Leben nur selten guten Gebrauch. Des öfteren wandelt sich für ihn eine kleine Gefahr in ein furchterregendes Ungeheuer, und statt sich als erfahrener Beobachter zu erweisen, verwandelt er sich in einen von Furcht getriebenen Flüchtling. Dabei vergisst er, dass das von ihm selbst hervorgerufene Ungeheuer weiterwächst. Irgendwann einmal wird er sich doch umwenden müssen, um das Ungeheuer zu besiegen. Die Führer, denen der Mensch in der Feinstofflichen Welt begegnet, raten ihm, die eigenen Ausgeburten so bald wie möglich zu beseitigen. Doch wenn er bei seinen irdischen Winkelzügen bleibt, wird er die Ratschläge verwerfen. Daher ist es so sehr wichtig, sich schon im irdischen Leben des feinstofflichen Daseins zu vergegenwärtigen. Das Denken kann in der Feinstofflichen Welt in klarer Weise arbeiten, wenn es schon im irdischen Leben ausreichend geübt wurde. Ihr erinnert euch, dass jemand, der wieder in die Feinstoffliche Welt hinübergegangen war, sich dort nicht die nötige Kleidung zu schaffen vermochte, weil er die Klarheit des Denkens nicht besaß. Doch diese Eigenschaft wird auf der Basis des freien Willens erreicht. Jeder muss wissen, was er erreichen soll, und dann wird auch der Rat des Führers vernehmbar. Der Führer nähert sich nur dort, wo das Ohr geöffnet ist. Ihr wisst bereits, wie oft Unsere Schwestern und Brüder die Feinstoffliche Welt besuchen, und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen, um denen zu helfen, die man schon länger beobachtet hat, zum anderen, um die eigenen feinstofflichen Energien beständig in verschiedenen Sphären zu üben. Besonders notwendig ist es, die feinstofflichen Energien zu üben, um sich überall wie zu Hause zu fühlen. Es lässt sich beobachten, dass ein Mensch, der aus dem Gefühl heraus handelt, vor angeborenen Unzulänglichkeiten verschont bleibt, doch wenn erst der Schwung herrlicher Begeisterung erlahmt, gerät der Mensch von neuem unter den Einfluss irdischer Unzulänglichkeiten. Das Feuer des Denkens kann nicht verlöschen, und solche Flügel bahnen unverzüglich den Weg zum Führer. Wir können dort leicht arbeiten, wo das Feuer brennt, weshalb Wir so sehr vor Angst, Mutlosigkeit und Verzweiflung warnen. Diese Eigenschaften gleichen feucht gewordener Kohle, mit der kein Feuer zu entfachen ist. Das letztere Gleichnis kommt dem Denker zu. Er war der bemerkenswerten Gabe mächtig, Mutlosigkeit zu zerstreuen. In der Bruderschaft ist diese Fähigkeit sowohl für die irdische als auch für die Feinstoffliche Welt notwendig. So hat alles, was Wir sagen, allernächsten Bezug zum Leben der Bruderschaft.

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