Agni Yoga, § 201

Es besteht die irrige Meinung, dass ein Yogi über eine unüberwindliche Gesundheit im üblichen Sinne verfügen müsse. Aber kann man ein empfindliches Instrument aus einem Holzklotz formen? Besteht nicht der Wert der Saiten der Vina darin, dass sie auf die feinsten Tonintervalle ansprechen? Ebenso reagiert der feinfühlige Apparat eines Yogis. Gewiss, er allein kennt die unbeschreiblichen flüchtigen Schmerzen, die, wie das Stimmen der Vinasaiten, sein Wesen umformen. Man wird verstehen, dass Wir die Ungefährlichkeit des Yogapfades nicht nachdrücklich betonen. Wie könnte man aber während der Regeneration der Zentren Schmerz vermeiden? Das Feuer der Erkenntnis bleibt brennend heiß. Ihr wisst mittlerweile, dass das Gesagte keine abstrakte Symbolik ist. Die ganze gebräuchliche Nomenklatur für diese Schmerzen ist nutzlos, solange sich die Wissenschaft nicht beeilt, die Bedeutung der psychischen Energie oder der Geistigkeit zu begreifen. Je weniger der Mensch die Gefahren des Yogas versteht, desto mehr entfernt er sich von der Vereinigung mit dem Höchsten Bewusstsein. Darum sind die gelegentlichen Flüge des Bewusstseins wertlos. Was benötigt wird, ist der unaufhörliche Gesang des Fluges. Die Vina ertönt nicht immer, aber ihr Klang ist immer harmonisch. Wer zum Yoga Zuflucht nimmt um robuste Gesundheit zu erlangen täte besser, ein Glas Wein zu genießen und über erhabene Ideen zu diskutieren, ohne sie im Leben anzuwenden. Denn die Gesundheit eines Yogis flattert wie die Schwingen eines sich erhebenden Adlers. Das Auge eines Yogis ist scharf wie das eines Adlers, wie ihr wisst. Die Ruhe eines Yogis ist wie die Spannung einer Meereswoge.

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