1923 - IV - 28
Wenn ein Mädchen Abende und Nächte danach strebt, Nutzen der Welt zu bringen. Wenn es vom unaussprechlich Schönen und Erhab'nen träumt, ist das nicht lebensnah? Wenn diese Träume herrlich waren, wird dann nicht auch die Antwort auf sie schön sein? Warum das Leben ändern wollen? Wozu Altes zerstören, wenn schon ein einz'ger Seufzer uns ein Wunderland enthüllt? Der Kerker schien dir immer schrecklich. Es dünkte dir unmöglich, dass je die eiserne Tür geöffnet werden könnte, doch hier geb' Ich dir Meinen Schlüssel. Versteh' diesen umzudreh'n, wie Ich es oft schon zeigte, nicht mehr und auch nicht weniger als nötig. Liegt denn die Heldentat so fern? Wir brauchen weder wilde Tiere - noch Gerichte - noch Krieger. Die Heldentat ist nahe! Du drohtest mit dem Schwert und forderst auf die Welt zum Kampfe - hier kommt die Welt zu dir, schärfe das Schwert. Nutzlos sind falsche Eide, nutzlos sind Ringkämpfer des Geistes, heilig kannst du den Eid der Wahrheit sprechen. Dir, Sehende, dir geb' Ich. Füge dem Trank einen Tropfen Meines Werkes bei, und tauche in den Wein des Wissens das Brot der Heldentat; den Ankommenden gib dadurch Nahrung.