Der Ruf, § 286

1922 - VIII - 5

Wo ist das Gebet? Wo ist das Mantra, wo die Beschwörung, wo der Anruf? Sprechen will ich mein Gebet, das Angesicht zur Sonne hingewendet. Wenn meine Augen das Licht des Weltalls nicht ertragen können, so will ich sie verschließen. Erfüllt vom Glanz der Sterne will ich sagen: Hier seh' ich meinen Pfad und ihn entlang streb' ich mit meinem ganzen Wesen. Der Feinde wehrend und dem Besitz entsagend komm' ich zu Dir. Mein Wort an Dich ist mein Gebet zugleich. Ich spreche es am Tage, bei der Arbeit und des Nachts, wenn ich erwache und meine Augen die Grenze zwischen Erde und Himmel nicht mehr unterscheiden können. Wie zahlreich waren meine Vorbereitungen, wie überlegte ich, wie strengte ich mich an, bis ich Dir sagen konnte: Ich liebe Dich, o Herr! Das ist mein ganzes Beten. Lang hab' ich mich vorbereitet und lang hab' ich gesucht nach einem Mantra, es ist ganz kurz: 'Wende Dich nicht ab, Mein Herr!' Das ist mein einziges Gebet. Und jetzt beschwör ich Dich: 'Herrscher, verlass mich nicht, immer werde ich Dich finden, denn ich kenne alle Deine Häuser, Du bist in allem!' Verzeihe, Herrscher, mein Gebet ist einfach, Mein Mantra kurz und meine Bitte klingt gewagt, Doch ich kann von Dir mich nicht mehr trennen und Deinen Anblick nicht entbehren. Mein Ohr hört Deinen Schritt, Sogar im Mund verspür' ich Deinen Göttlichen Geschmack, Denn Du bist meine Nahrung. Wird mein Gebet Erhörung finden, Herrscher? Ich fürchte, meine Bitte könnte Dir missfall'n, Und mein Mantra Dir nicht annehmbar erscheinen, Doch ich werde Dein Gewand fest mit meinen Händen halten. Ach Herr, Ich will es wagen. Und durch Kühnheit werde ich ein Meer voller Glückseligkeit gewinnen, denn ich wünsche es. Also sprach der Herr: Schaffet, begreifet und reiniget die Türen. Wenn man euch stößt, schreitet mit einem Lächeln weiter. Der Wissende gelangt ans Ziel.

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