Herz, § 92

Eine alte Legende berichtet, als ein König, der sich von allen Einflüssen befreien wollte, den Rat eines Weisen einholte. Der Weise sagte: ‘Du wirst die Befreiung in Deinem Herzen finden.’ Aber der König wurde ablehnend und erwiderte: ‘Das Herz ist zu unsicher, eine Wache ist sicherer.’ Daraufhin verabschiedete sich der Weise und sagte: ‘Dann, o König, wäre es besser, wenn du nicht schläfst.’ In der Legende wird unser Herz als einziger Schutz aufgezeigt. Nicht ohne Grund schreiben alle Lehren Gebete vor dem Einschlafen vor, um die Verbindung mit dem Guten zu stärken. Die Menschen bedenken ungern, dass sie mehr als ein Drittel ihres Lebens im Schlaf verbringen und dabei eigenartigen unbekannten Einflüssen ausgesetzt sind. Die Wissenschaft misst dem Schlaf – dem Aufenthalt in der Feinstofflichen Welt – wenig Bedeutung bei. Ist denn nicht eine feste Verbindung mit der Hierarchie erforderlich, wenn wir an der Schwelle eines unserem gewöhnlichen Bewusstsein Unbekannten stehen? Bedenkt, dass fast die Hälfte des Lebens jenseits des irdischen Daseins verläuft! Natürlich kann ein Herz, das für alle drei Daseinsebenen bereit ist, das Bewusstsein in der nächsten Ebene beibehalten. Wer möchte schon das Los jenes Königs teilen, der sich nur auf eine Wache verlassen wollte?!

‹ § 91 · Inhaltsverzeichnis · § 93 ›