Herz, § 87

Rache wird mit Recht von allen Lehren verurteilt. Die eigentliche Untat kann nur wenig erkannt oder gar unbeabsichtigt gewesen sein, aber Rache wird immer geplant und im Herzen bewusst genährt. Rache ist wie ein Lautsprecher der Untat; deshalb ist ihr Schaden im räumlichen Sinn sehr groß. Rache ähnelt nur gering der Empörung. Empörung, als der Impuls der Bedrohung, vermag schnell vorüberzugehen, aber ausgeheckte Racheakte vergiften die Atmosphäre weithin. Es heißt, dass die Absicht der Tat gleichkommt, doch man denke dabei an eine gedankliche Tat. Es ist sehr schwierig für die Menschheit, sich an diese Überlegungen zu gewöhnen. Die heutige Menschheit meint Gedanken wären nur eine unbedeutende Gehirnfunktion. Da man die Auswirkungen der Gedanken mit dem Auge nicht sehen kann, meint man diese hätten gar keine, dadurch wird die Gedankenmacht auch nicht anerkannt. Das Herz ist in einer besseren Lage als das Auge, es kann vibrieren, Schreie auslösen – ja sogar stark klopfen.

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