Gemeinschaft, § 218

1927 – II – 2

Die bekannten materiellen Zustände formen einen bestimmten menschlichen Charakter, sie rufen ihn ins bewusste Leben – mit diesem Moment beginnt ein Kampf gegen die Gemeinschaft. Wenn bei der Bildung der Persönlichkeit das Bewusstsein nicht geformt wird, dann erwacht sozusagen das Tier im Menschen, es verwandelt ihn in einen bösartigen Egoisten. Somit beginnt ein Feldzug gegen Erziehung und Zusammenarbeit. Egoismus führt nicht zu edler Mentalität, sondern zurück in einen tierähnlichen Zustand, jedoch unter Verlust der Gemeinschaftsfähigkeit der Tiere. Daher steht ein solcher Mensch unter dem Tier. Könnte man denn mit derart tierähnlichen Wesen, die auch nicht über eine gemeinsame Sprache verfügen, eine Gemeinschaft aufbauen? Daher müssen die Verantwortlichen die Grundlagen der menschlichen Persönlichkeitsbildung überprüfen. Jedes Umfeld, jede Rahmenbedingung muss überprüft werden, doch eine solche Überprüfung kann nur durch mutige Menschen erfolgen, die auch frei von Verpflichtungen gegenüber den Rahmenbedingungen sind. Auf diese Weise muss die grundlegende Bildung der menschlichen Persönlichkeit geschützt werden. Es können Bändiger des Tierhaften gefunden werden, suchet jedoch nach solchen ohne veraltete Vorstellungen. Wenn euer Umfeld euch zu veraltetem Denken verleitet, dann ist es besser dieses Umfeld umzuwandeln, als sein Diener zu werden. Wir kannten Verantwortliche mit veralteten Lehrmeinungen. Wir sahen Propheten mit Schecks in der Hand und lallende Führer bei Orgien. Doch weder veraltete Begrenzungen noch Bankheiligtümer können das Gemeinschaftsbewusstsein festigen. Wenn ein Gemeinschaftsmitglied davon träumt, auch nur dem Anschein nach einem Kapitalisten zu gleichen, so bedeutet das, dass sein Gemeinschaftsfundament bereits faul ist. Bezwingt den tierhaften Menschen. Menschen mit Schwänzen und Zentauren gehen nicht mit der Evolution. Die Verwirklichung der Gemeinschaft bedarf der Tatkraft.

‹ § 217 · Inhaltsverzeichnis · § 219 ›