Gemeinschaft, § 176

1926 – XII – 14

Psychomechanik wird eine richtige Begriffsbestimmung für die Anwendung der psychischen Energie sein. Bei der Fabrikarbeit kann man interessante Erfahrungen machen. Jeder erfahrene Arbeiter weiß, dass Maschinen eine Ruhezeit benötigen. Es ist schwer, diese Erscheinung näher zu erklären, sie ist aber auch denen durchaus bekannt, die von Psychomechanik keine Vorstellung haben. Wir hatten Gelegenheit, Versuche in Textilfabriken durchzuführen, wo es Hunderte von Webstühlen und einige Hunderte von mehr oder weniger erfahrenen Arbeitern gab. Die Webstühle verlangten ohne Rücksicht auf die üblichen Arbeitspausen und die Erfahrungen der Weber ihre eigene Ruhezeit. Die Weber wurden einem psychischen Test unterzogen, und es stellte sich dabei klar heraus, dass alle Maschinen, die von Arbeitern bedient wurden, die im Besitz psychischer Energie waren, weniger Ruhezeit benötigten. Es war, als ob diesen Webstühlen ein lebendiger Strom übertragen worden wäre, der ihre Lebensfähigkeit verlängerte. Dieses lebendige Zusammenwirken von Arbeiter und Maschine muss in den Arbeitsgemeinschaften verwirklicht werden, doch ist diese vorteilhafte Bedingung nur durch das Studium der Psychomechanik zu erreichen. Es ist die Aufgabe der Regierungen, die produktivsten Bedingungen zu schaffen, indem die nötigen Maßnahmen ergriffen und Wissenschaftler herangezogen werden, um das Leben der Arbeitsgemeinschaft bis zu Anonymität zu erleichtern. Wir wissen, dass manchmal das Symbol einer individuellen Persönlichkeit für Völker wichtig erscheint, doch trotzdem bleibt Anonymität das Ideal wahrer Evolution. Dies ist eine der Bedingungen der Erkenntnis der Kurzfristigkeit des irdischen Daseins und sie ist der beste Weg für erfolgreiche Zusammenarbeit. Der Gegenpol der Anonymität ist die Selbsternennung der Könige im Altertum, die heute niemandem mehr bekannt ist. Diese Selbsternennungen rufen nicht mehr als ein Lächeln hervor und haben meistens mit Vorhaben in Bezug auf das Allgemeinwohl nichts gemeinsam. Um einen solchen Gegenpol zu vermeiden, wird die Gemeinschaft natürlich nach Anonymität hässlich sein. Nur der kann anonym werden, der seinen Platz inmitten von Erscheinungen und Gegenständen errichtete. Der kann sein ‘Ich’ aufgeben, der sich des Raumes bewusst geworden ist. So können die Gemeinschaften sich der Unzerstörbarkeit nähern. Gemeinschaftsmotten schätzen Wir nicht. Vergesst nicht, dass Trunksucht der Feind der Psychomechanik ist. Denket nicht, dass Psychomechanik nur für Auserwählte sei, sie ist das Gut eines vernünftigen Kollektivs und wird in allen täglichen Erscheinungen erprobt.

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