Gemeinschaft, § 150

1926 – XI – 16

Beschleunigung des gegenseitigen Verstehens erfolgt nicht durch ausgesprochene Worte, sondern dadurch, inwieweit die Gehirnzentren angesprochen werden. Es gibt ein bemerkenswertes Experiment, wo der Sprecher einen Strom des Verstehens herstellt und plötzlich darauf die Sprache wechselt und eine dem Hörer nicht bekannte Mundart wählt – das Phänomen des Verstehens hält weiter an. Ihr kennt es natürlich und habt stumme Eingebung gefühlt, wenn ein räumlicher Gedanke sich blitzartig mitteilt. Er wird in der dem Hörer bestbekannten Sprache interpretiert, doch die Ausgangssprache mag eine ganz andere gewesen sein. Das Experiment der Gedankenübertragung ist nicht mehr ungewöhnlich, doch die Eigenschaft des Sendens und Empfangens ist unzulänglich erforscht. Am wenigsten wird der Augenblick der Bildung des Stromkreises des Verstehens, nach dem sich formale Worte erübrigen, beachtet. Die Festigkeit dieses Stromes hängt am allerwenigsten von der Spannung der Gehirnmuskeln ab. Von der Anspannung können eher die Blutgefäße platzen, als dass sich ein neues Verstehen einstellt. Ihr kennt schon lange einen auflösenden Ton, der nicht durch Spannung, sondern durch seine Eigenschaft wirkt. Das Verstehen ist diesem Ton ähnlich. Im Altertum hieß es: ‘Öffne die Tore des Verstehens, sonst wird mein Blitz dein Schloss veraschen.‘ Gerade der Gedankenblitz – diese Erstschöpfung alles Seins – durchbohrt alle Schlösser. Es naht ein Augenblick, wo die Augen des Zuhörers sich trüben, und die physische Ausstrahlung durchlaufen Funken einer fremden Farbe – es ist die Farbe der Ausstrahlung des Sendenden. Gewiss, dem Licht gelang es sehr schnell aufzublitzen und es wirkt auf das Licht des Bewusstseins des Hörers ein. Das bedeutet, dass das Feld eingenommen wurde und zu weiterem Empfang vorbereitet ist. Bei Experimenten der Gedankenübertragungen ist es wichtig, den ganzen Umkreis zu befragen, um festzustellen, wie sich der Wirkungsbereich der Sendung verbreitet. Dabei kann man eine Spiralbewegung feststellen. Daraus lässt sich schließen, dass Sendungen in den Raum bei Festsetzung einer bestimmten Frist keinen Erfolg zeitigen werden. Sich ein augenblickliches Ziel vorstellend, vermag man außer diesem einem großen Raum in jeder gegebenen Richtung zu erfassen. Lasst uns mit einem Lächeln enden: Stellt ihr euch nicht den Donner der Gedanken im Raum vor? Ein Schüler stellte die Frage: ‘Wenn der Gedanke wägbar ist, dann darf doch der Raum nicht mit Gedanken überlastet und so die Schwerkraft gestört werden?‘ Wie denkt ihr darüber?

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