Gemeinschaft, § 125

1926 – X – 11

Meine jungen Freunde, wieder habt ihr euch im Namen der Lehre versammelt, und wieder habt ihr den Abend mit Gästen verbracht. Indessen wurde gesagt und wiederholt, dass die Stunde der Aussprache über die Lehre frei von alltäglichem Geschwätz sein müsse. Möge diese Stunde auch seltener stattfinden, doch ihre Qualität muss aufrechterhalten werden. Ihr nähert euch auf Umwegen, ihr überwindet die Müdigkeit des Arbeitstages, ihr tragt einen Teil des Allgemeinwohls; doch die erworbenen Gegenstände des bekannten Raumes zerstreuen euer Streben, und unmerklich werdet ihr staubige Mieter. Darüber hinaus wird einer von euch, bemerkend was vor sich geht, zu einem selbsternannten Aufseher und unterliegt der geringsten Reizbarkeit. Der Faden der Verbindung wird zerrissen, und es beginnt ein unwürdiges Flicken. Wir bitten euch, wenigstens für eine Stunde bewusst verantwortungsvolle Menschen zu sein. Wenn es euch schwerfällt, für eine Stunde in der Woche zusammenzukommen, so ist es besser, euch nur alle vierzehn Tage zu treffen. Lernt es, zu dieser Zeit alle störenden tierischen Gewohnheiten, wie Rauchen, Trinken, Essen, seichtes Geschwätz, Auseinandersetzungen über nichtige Angelegenheiten, Kritik, Ärger auszuschalten. Nachdem ihr euch versammelt habt, verharrt einige Minuten in Schweigen. Sollte dann einer von euch nicht die Kraft aufbringen, sein Bewusstsein zu erleuchten, so möge er schweigend zurückgehen in die Kälte und in die Finsternis. Wir sind Feinde jeder zwingenden Magie, doch eine natürliche Überwachung des Bewusstseins muss zur Vorbedingung realen Aufbaues werden. Man kann doch wohl für eine Stunde von persönlichen Unternehmungen ablassen. Wenn dies schwerfällt, wie könnt ihr dann an Fortschritt und Wachsen des Bewusstseins denken? Ein Ochs kennt das Wiederkäuen, doch er kommt über die Verdauung nicht hinaus. Bemüht euch, euren Gesprächen Schönheit, Einfachheit und Reinheit zu verleihen. Die ungewöhnlichsten Probleme des Wissens, die kühnsten Formen der Schönheit mögen euch aus eurem muffigen Winkel hinausdrängen. Begreifet, Ich möchte euch wenigstens für eine Weile außergewöhnlich und aufnahmefähig sehen. Diese Körner des gemeinschaftlichen Denkens werden euch die Beharrlichkeit für Errungenschaften verleihen. Nicht nur Entschlossenheit, sondern auch Ausdauer ist erforderlich. Verstehet unter Konzentration eine Prüfung des Bewusstseins. Lasst Mich euch bestrebt und bewusst fortschreitend sehen. Ich sage dies, damit es unverzüglich ausgeführt wird.

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