Gemeinschaft, § 121

1926 – X – 7

Das durch technische Mittel geförderte neue allgemeine Bewusstsein wird einen mächtigen Drang nach Wissen hervorrufen. Gerade die Gemeinschaft wird ein empfindlicher Apparat für den Fortschritt der Evolution sein. In einer bewussten Gemeinschaft kann der einzelne natürlich nicht behaupten über ein umfassendes Weltstudium zu verfügen. Jede geistlose Schranke wird durch scharfe Vibration des Kollektivs hinweggefegt. Sogar eine Andeutung über Vollendung macht die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft unmöglich. Wer will schon das Brandmal der Stumpfsinnigkeit tragen? Selbst ein Wurm wird für seine finsteren Wege keine Grenzen setzen, und ihr, die ihr in die Unbegrenztheit schaut, könnt keinem Wurm gleichen! Die unvollkommene Scharfsicht von manchen Menschen hat unsichtbare Strahlen und unhörbare Rhythmen vermutet. Trotz der groben Vorstellung und der groben Geräte sind bestimmte kosmische Ströme aufgefangen worden. Doch selbst ein Einfältiger wird begreifen, dass die Vorstellung verfeinert und die Apparate verbessert werden können. Durch Selbstverbesserung gelangt ihr zur Unbegrenztheit. Solange der Verstockteste sich seiner Beschränktheit nicht schämt, werde Ich über die Möglichkeiten der Verbesserung sprechen. Wer sein Bewusstsein beschränkt, kann kein Mitglied der Gemeinschaft sein, er gleicht damit dem Frauenfuß im alten China; die Finsternis der Gewohnheit brachte auch diese Verunstaltung hervor. Welches Mitglied der Gemeinschaft könnte wünschen, sich mit dem Schimmel des Aberglaubens zu bedecken? Man benutzt heute bestimmt keine dürftige, primitive Dampfmaschine mehr. Gleicherweise kann niemand in einer kindlichen Auffassung der Wirklichkeit verharren. Ein kindlicher Materialismus erweist sich als ein Betäubungsmittel für das Volk, doch erleuchtetes Wissen wird eine Leiter zum Sieg sein. Ohne Verneinungen, ohne Aberglauben und ohne Furcht schreitet fort zur wahren Gemeinschaft. Ohne Wunder werdet ihr klare Wirklichkeit finden, und mit der Spitzhacke des Forschers werdet ihr verborgene Schätze in den Tiefen entdecken. Liebet das furchtlose Wissen!

‹ § 120 · Inhaltsverzeichnis · § 122 ›