Feurige Welt II, § 61

In den Schulen muss die Denkkunst entwickelt werden. Jede Kunst bedarf der Übung. Ebenso muss Denken durch die Praxis gestärkt werden. Aber solches Vertiefen sollte weder mühsam noch langweilig sein, weshalb der Lehrer eines solchen Lehrfaches wahrhaftig erleuchtet sein muss. In der Geschichte der Menschheit kann festgestellt werden, dass durch die Denkunfähigkeit das schrecklichste Elend aufkam. So gibt es viele Beispiele dafür, dass verkrampftes Denken und ungezügelte Gefühle ganze Völker in den Abgrund führten. Andererseits haben Denkträgheit und Geistesschwäche angehäufte Möglichkeiten zunichte gemacht. Der Führer muss selbst ein Beispiel ständiger Erweiterung des Denkens geben, um der Vorausschau näherzukommen. Natürlich resultiert Vorausschau aus der Verbindung mit der Hierarchie. Doch die Verbindung selbst erfordert wachsames Denken und klares Streben. Die Denkkunst sollte nicht als okkulte Konzentration verstanden werden. In der Denkkunst und in der Bewusstseinserweiterung liegt nichts Geheimnisvolles. Allein die erhabene Eigenschaft des Bewusstseins wird den Pfad des Denkers bestätigen. Und niemand wird sagen, dass der Denker von besonderer Art sei. Jedes Kind kann dem Denken zugewandt werden. Daher muss die Denkkunst als die Gesundheit des Volkes angesehen werden.

‹ § 60 · Inhaltsverzeichnis · § 62 ›