Feurige Welt II, § 204

Man könnte fragen, wie oft die LEHRE gelesen werden soll? Antwortet: Es ist unmöglich, für Liebgewonnenes Grenzen zu setzen. Man kann sie auswendig lernen, und dennoch wird man das Bedürfnis haben, sie wieder zu lesen. Wenn wir sie auswendig lernen, legen wir einen bestimmten Rhythmus fest, aber neues Lesen kann neue Erleuchtung bringen. Es wird nicht nur das Verstehen vertiefen, sondern auch die wechselnde Beleuchtung des Buches kann zu einer neuen Annäherung führen. Wenn Ich daher sage: Lest die LEHRE sowohl am Morgen als auch am Abend, so denke Ich an die unterschiedlichen Bedingungen zu diesen Zeiten. Eine Sache prägt sich am Morgen ein, während eine völlig andere von den abendlichen Feuern begriffen wird. Versteht dies wörtlich. Der Abend- und der Morgengedanke sind sehr verschieden. Man sollte beide vergleichen. Wenn der Abendgedanke durch das Lampenlicht erweitert wird, so glüht der Morgengedanke durch die Berührung mit der Feinstofflichen Welt. Der Morgengedanke ist nicht nur infolge der Nachtruhe stark, sondern auch durch Berührung mit feinstofflichen Energien. Der Abendgedanke ist jedoch durch die dem lebendigen Feuer verwandte völlige Verzückung gekennzeichnet. Viele meinen, sie kennen die LEHRE schon, sobald sie sie einmal gelesen haben. Doch die besten Gebote bleiben unbefolgt, weil die Menschen nicht gewillt sind, ihre vielfarbige Darstellung zu verstehen. Auf diese Weise prüft den Kristall der LEHRE in der Sonne und im Lichte des Feuers.

‹ § 203 · Inhaltsverzeichnis · § 205 ›