Feurige Welt II, § 134

Wettstreit ist ein schwieriger Begriff. Nur das feurige Herz versteht es, sowohl auf der lichten als auch auf der finsteren Seite das rechte Maß anzulegen. Reines Verstehen der Selbstvervollkommnung wird keinen Wettstreit erwecken. Doch ist das Bewusstsein wild und ungezügelt, führt Wettstreit zur gegenseitigen Zerstörung. Wettstreit ist von Neid umgeben. Er führt zu den raffiniertesten Verbrechen. Zusammenarbeit muss den Ausgleich missverstandenen Wettstreits schaffen. Es ist nicht leicht, sich für vernünftigen Wettstreit die Grenze zu setzen. Das Wort Wettstreit an sich ist schon gefährlich; in ihm kommt Eifersucht zum Ausdruck, anders gesagt, bestechliche Hingabe. Deshalb ist es gut, den Begriff Wettstreit, wo immer möglich, mit jenem der Vervollkommnung zu ersetzen. Viele Begriffe müssen in ihrer gegenwärtigen Benennung revidiert werden. Man muss anerkennen, dass eine richtige Glaubensgeschichte die Wurzeln von vielen entstellten Begriffen enthüllen würde. Man sollte darum besorgt sein, dass die Sprache nach den Grundideen erklingt und so klar wie möglich zugeschnitten ist. Man kann die Sprache mit neuen Definitionen bereichern, aber sinnloses Geschwätz wird von keinem Nutzen sein. Jeder Buchstabe bedeutet durch seinen Klang eine Schwingung der Zentren. Es ist töricht, nutzlos die Harmonie zu stören. Wendet eure Aufmerksamkeit der Klangfülle der alten Ortsnamen zu. Die neuen Orte erzeugen nicht immer die gleiche nutzvolle Schwingung. Die alten Namen hatten eine zeitlose Bedeutung. Oft kann selbst die Philologie die von mächtigen Völkern eingesetzten Wurzeln nicht entdecken. Umso sorgfältiger müssen wir dann ein zwar unbekanntes, aber unsere Herzen zum Klingen bringendes Erbe beachten.

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