Feurige Welt I, § 629

In primitiven Glaubensformen fußt die Gottesverehrung auf Furcht. Doch Furcht ruft Schrecken hervor und unvermeidlich Empörung. Der menschlichen Natur haftet das Bewusstsein an, dass der Große Ursprung der Ursprünge mit Schrecken nichts gemein hat. Wer Liebe fühlt für Gott, kann seinen Namen in seiner eigenen Sprache aussprechen. Nur mit solch einer alles durchdringenden Vorstellung kann man eine würdige Verehrung bekunden. Nichts auf Erden kann das Feuer des Herzens so entfachen wie Liebe. Keine bestehende Herrlichkeit ist der Liebe vergleichbar. Die Menschen schämen sich nicht, Ärger und Gereiztheit in ihren niedersten Formen zu bekunden, und der heilige Begriff Liebe ist von Entstellung und sogar von Gespött begleitet. Ein Mensch, der es wagt, liebende Hingabe zu offenbaren, wird schon als etwas zweifelhaft betrachtet. Von dieser Entstellung fundamentaler Begriffe rührt das Weltchaos. Das menschliche Herz kann nicht erblühen ohne Streben zum Ursprung der Ursprünge – zum Unnennbaren, aber über die Feuer des Herzens Erkennbaren. So lasst uns inmitten verletzter Weltgrundlagen die Feuer des Herzens und der Liebe für das Höchste entzünden. Lasst uns erkennen, dass sogar die Wissenschaft durch ihre Relativitätstheorie den Weg zur Unbegrenztheit offenhält. Kann man inmitten der Herrlichkeit der Welten in Bosheit, Mord und Verrat verweilen? Nur Finsternis kann allen hinterlistigen Verbrechen Unterschlupf gewähren! Kein Gesetz rechtfertigt bösen Willen. Schrecklich ist böser Wille, denn er führt in Finsternis. Aber welches irdische Mittel kann allein gegen Finsternis ankämpfen? Wahrhaftig, das Feuer der Liebe.

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