Einer, der an Bescheidenheit und Demut denkt, ist fürwahr weder bescheiden noch demütig. Natürliche Tugenden benötigen keine erzwungenen Überlegungen. Aus solcher Pseudobescheidenheit und solcher Pseudodemut wurde viel Selbstgefälligkeit geboren. Alle mit Feurigkeit zusammenhängenden Eigenschaften bedürfen der Spontaneität. Wenn ein Mensch keine Achtung vor der Hierarchie erlangte, kann ihm kein Befehl die Schönheit dieses Strebens fühlen lassen; äußere Umstände werden das Samenkorn des Strebens zermalmen. Die Menschen unterliegen einem großen Trugschluss, wenn sie meinen, dass Denken an das Höchste die äußeren Umstände ihres Lebens verändert. Ein euch bekannter Schuhmacher hätte sein Handwerk aufgeben können, aber er zog es vor, sich im Rhythmus der Vergangenheit, in dem seine höchsten Gedanken aufkamen, zu festigen. Das ist keine Unbeweglichkeit, sondern Bewahrung des bereits geschaffenen wertvollen Rhythmus. Man kann beobachten, dass äußere Umstände Denkanstoß sein können. Diese Erwägung ist bei feurigen Errungenschaften sehr nützlich. Ein Musiker trennt sich sogar auf Reisen nicht von seinem Instrument. Der Grund dafür liegt nicht allein im Mechanisch-Technischen, sondern der Virtuose bewahrt auf diese Weise, bewusst oder unbewusst, einen bereits geschaffenen Rhythmus. Stetigkeit in der Arbeit ist für den Gleichklang der Zentren genauso notwendig wie Prana-Yama. Aber ein erfahrener Arbeiter wird nicht an den Nutzen seiner geleisteten Arbeit denken. Für ihn bedeutet Arbeit Nahrung; er kann ohne sie nicht leben. Der Arzt möge darüber Beispiele zitieren. In Zusammenhang mit AGNI ist unregelmäßige, unrhythmische Arbeit besonders schädlich, und ein Rhythmus muss ganz ungezwungen zur Gewohnheit werden. Dann kann man erwarten, dass AGNI in der Tat zur selbsttätigen Rüstung wird. Die Eigenschaft der Selbsttätigkeit ist eine feurige Errungenschaft. Sie kommt nicht von außen, sondern nur gemeinsam mit der Bewusstseinserweiterung. Ohne Festigung des Bewusstseins kann sich keine Selbsttätigkeit bilden. Mut kommt nicht vom Auftrag; er wächst von innen, mit dem Gefühl, der Kern der Spirale zu sein. Schlägt der Mut bereits Wurzeln, kann ihn nichts entwurzeln. Es ist schön, das Vorhandensein eines Werdegangs zu erkennen, bei dem wie ein mächtiger Baum heranwachsende Eigenschaften erworben werden können.