1925 – IV – 1
Im Gebet wird man sich der Ewigkeit bewusst. Ein reines Gebet birgt in sich Schönheit, Liebe, Wagnis, Kühnheit, Selbstaufopferung, Standhaftigkeit und Streben. Wenn ein Gebet jedoch Aberglaube, Angst und Zweifel birgt, so sind dies Relikte einer Götzenverehrung. Wie soll man also beten? Man kann Stunden in Hingabe verbringen, es gibt aber auch blitzschnelle Gebete. Dabei verbindet sich der Mensch sofort wortlos über die gesamte Kette des Lichtes in die Unbegrenztheit. Verbindet man sich derart entschlossen mit der Unbegrenztheit, so ist dies als würde man die Ausstrahlung des Äthers einatmen, der Kreis wird auf diese Weise ohne mechanische Wiederholungen am besten geschlossen. So kann man in Schweigen, ohne Zeit zu verlieren, einen aufbauenden Strahl erhalten. Ein hochstehender Geist kann sogar in einem einzigen Seufzer sein menschliches Bewusstsein erheben. Solche Fragen werden kommen, daher müssen Wir wiederholt über das Gebet sprechen. Beschwörungen, Bitten, Unterwürfigkeit und Drohungen sind nutzlos. Man soll sich in entfernte Welten versetzen, in die Schatzkammern der Möglichkeiten und des Wissens. Man muss fühlen, dass diese für uns bestimmt sind, und sich diesen in Kühnheit nähern. In diesem Sinne ist auch das Gebot zu verstehen: ‘Betet nur im Geiste, auf keine andere Art und Weise!‘