Erleuchtung, § 230

1924 – IX – 5

Wenn auch Wirbelwinde die Atmosphäre verdunkeln, das Silber, das aus ihren Schlacken entsteht, vergeistigt die Farben der Erde. Unter dem Druck einer Verwirrung können sich qualvolle Momente ergeben, weil die Eruption eines ganzen Teiles der Welt einen mächt’gen Vulkan erzeugt. In früheren Zeiten riet man in Stunden der Verwirrung, öfters eine kurze Anrufung auszusprechen und durch ihre rhythmische Wiederholung die Wellen besonderer Einwirkungen abzuwehren. Später arteten diese Maßnahmen in sinnlos wiederholte religiöse Gebete aus, doch nichtsdestoweniger bleibt der Grundgedanke aufrechterhalten. Zuweilen verlangt unser Geist nach bestimmten Wiederholungen oder Aufzählungen. In den besten Zeiten des Priestertums wählte man die Worte: ‘Adonai‘, ‘Ishtar‘, ‘Alleluja‘ und ‘Aum‘. Auch das Alphabet und die Zahlen wurden wiederholt ausgesprochen. Gewiss, die sich auswirkende Kraft liegt nicht in den Worten selbst, sondern in den dadurch erzeugten Schwingungen. Tatsache ist, dass manchmal durch einen Impuls des Geistes eine nützliche Schwingung geschaffen werden kann. Doch führen Gewohnheiten zur Erstarrung, und sogar ein kräftiges Mittel verliert seine Wirkung. Zuweilen kann man bei Wirbelwinden eine eigene, reinigende Welle hervorruf’n. Wenn ein giftiger Atem auf einen zukommt, ist es am besten auszuatmen. Auch durch Willenskraft kann man sich einen schützenden Schleier schaffen. Während des Ablaufes der Mysterien hüllten sich die Priesterinnen derart in einen unsichtbaren Schleier, dass sie weder seh’n noch hören konnten, als ob der Faden des Daseins durchtrennt wäre; dies ist auch eine Art von Reinigung in einer Atmosphäre voller Unruh’. Ich erinnere an das Mysterium der schützenden Welle, das seinen Ursprung in Asien hat. Die Menschheit soll neue Wege einschlagen, und das Fenster in die Astralwelt muss geöffnet werden. Den Weisen quält die Kälte auf der rauen Erde.

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