Erleuchtung, § 204

1924 – VII – 15

‘Zustand der off’nen Schätze‘ nannte man in früheren Kulten das Verhalten der Priesterinnen, die sich in das achte Stockwerk zurückzogen, wohin der Zutritt verboten war und die Treppen mit Leopardenfellen belegt wurden, damit kein Laut zu ihnen durchdringen konnte. Der Zustand der off’nen Schätze wurde so geachtet, dass eine Ruhestörung als religiöses Vergehen bestraft wurde. Alles Unharmonische ist besonders schädlich, deshalb ist ein Donnerschlag weniger gefährlich als das Gekreische eines Neugeborenen. Diese einfache Wahrheit wurde nie niedergeschrieben. Theoretisch kann man für das Harmonische überhaupt keine Grenze ziehen, denn der klangliche Aufbau der Geistigkeit ist individuell. Die Menschen des Altertums wussten, dass Schätze einmalig sind, sich nicht wiederholen, und bewahrten sie daher vor unangenehmen Zwischenfällen. Beim Öffnen der Schätze beobachtete der Älteste des Tempels, welche Töne die größte Wirkung hatten. Jeder Ton wurde mit einer bestimmten Farbe verglichen, und so fand man die Bedingung für jeden einzelnen Fall heraus.

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