Erleuchtung, § 194

1924 – VII – 5

Parabeln über BUDDHA: Ein Hirte sah unter einem Baum einen Menschen sitzen, der in Meditation versunken war. Sich an die Seite des Mannes setzend, versuchte er, es ihm gleichzutun und nachzudenken. Er fing an, seine Schafe zu zählen und in Gedanken den Gewinn ihrer Wolle abzuschätzen. Beide saßen schweigend da; endlich fragte der Hirte: ‘Herr, worüber denkst Du nach?‘ – Dieser antwortete: ‘Über Gott.‘ Der Hirte fragte: ‘Weißt Du, worüber ich nachdachte?‘ ‘Auch über Gott‘ – ‘Du irrst, über den Ertrag aus dem Verkauf der Wolle.‘ ‘Wahrlich, ebenfalls über Gott, nur hat Mein Gott nichts zu verkaufen, dein Gott aber muss zuerst auf den Markt gehen. Doch es kann sein, dass er am Weg einem Räuber begegnet, der ihm behilflich ist, zu diesem Baum zurückzukehren.‘ So sprach Gautama: ‘Geht auf den Markt und denkt schneller nach, wie ihr zurückkehren könnt.‘ Auf einem Schiff reiste ein Affenhändler. In seinen Mußestunden lehrte er seine Affen, die Matrosen nachzuahmen, wie sie die Segel setzten. Eines Tages erhob sich ein Sturm, und die Matrosen eilten, die Segel zu raffen. Die Affen, die nur wussten, wie man die Segel aufzieht, folgten ihnen und hissten wiederum die Segel. Das Schiff ging unter, weil der Händler nur an schönes Wetter gedacht hatte. – So sprach Buddha, der Erneuerer des Lotos des Lebens.

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