Erleuchtung, § 165

1924 – V – 17

Wir seh’n vorherbestimmte Ereignisse herankommen und das Erscheinen von stillen Gestalten, die sich vom Leben absondern, obwohl Wir sie lieber nach ihren Heldentaten bewerten würden. Doch ihr Leben verläuft zwischen Weggehen und Heldentat und erscheint wie ein Funke in der Dunkelheit. Die kommenden und auch die vergangenen Ereignisse fließen vollkommen unbemerkt dahin. Ob es sich um einen Thron, eine Klosterzelle, oder einen Schusterschemel handelt, ist belanglos. Die aufgespeicherte frühere Aura begleitet immer den letzten Weg. Gewiss, die Aura wächst weiter, als ob sie die ungewöhnliche Feindseligkeit bedecken würde, doch ihre Beschaffenheit ändert sich nicht mehr, und man kann diese seltsamen Kinder aus vergangenen Zeiten, die ihre eigene Welt des Geistes in sich tragen, erkennen. Selten oder fast nie beschränken sie sich auf einen speziellen Beruf. Ihre Vielseitigkeit ist für sie besonders charakteristisch und es ist, als ob sich ihre Hände nach dem ‘Kelch‘ ausstrecken würden. Die vergangenen Inkarnationen überblickend, kann man Repräsentanten von Religionen, Königreichen, Wissenschaften, Kunst und Technik seh’n, die sich wartend auf den zukünftigen Weg vorbereiten und zu jeder Stunde bereit sind, ohne Bedauern aus dem Jenseits aufzubrechen. Die richt’ge Bewertung der Schönheit der Materie und die Bereitschaft, sich in die Errungenschaften des Geistes zu vertiefen, bringt die Heldentat zur Reife. Das Getriebe der Inkarnationen wirkt nicht mehr anziehend und schließlich wird einem bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Eine Heldentat pflegt sich entweder verhältnismäßig kurzfristig oder momentan zu äußern. Das Bewusstwerden der Notwendigkeit, eine bestimmte Tat zu vollbringen, wird von weither herangetragen, und einfach wie eine alltägliche Handlung wird dieser Lebensschritt getan. Das Schwierigste ist, die Begeisterung für die Materie und die Offenbarung des Geistes aufzunehmen. Wie viele herrliche Forschungen sind aus Mitleid gegenüber der Materie oder durch geistige Absonderung aufgehalten worden. Manchmal kann man sich die Verwandtschaft des Geistes mit der Materie nicht vorstellen; in diesem Fall muss man die Ursache in den vergangenen, ausgewählten Leben suchen. Der abgeschiedenste Einsiedler, der die Schönheit der Welt verachtet, verschließt sich selbst die Tore. Auch der Wissenschaftler, der die geistige Quelle außeracht lässt, beraubt sich der Flüge in das Reich höherer Eroberungen. Die Kinder werden diese einfache Bedingung begreifen, doch die Erwachsenen lehnen sie als Unsinn ab. Nur auf besonderen Wegen kann man den Zug der Heldentat in Gang bringen. Jenes zu erwarten, was der Geist kennt und wofür er die Zeit für gekommen erachtet, ist sehr schmerzhaft. Oftmals scheint es, als ob die Zeit stehen geblieben sei und ein Brand den angesammelten Reichtum vernichtet hätte. Wahrlich, Christus sagte: ‘Ihr kennet weder Tag noch Stunde.‘ Er enthüllte auch eine andere Formel, indem er sagte: ‘Herr, warum hast Du mich verlassen‘, und er meinte damit das Wissen des Geistes, denn im letzten Augenblick vor Beendigung der Erdenrunde tauchen wir ein wie in einen luftleeren Raum, um gleichzeitig aufzuflammen mit allen angesammelten Feuern. Indem wir das Bewusstsein der Vergangenheit zurückhalten, wird der Sprung über den Abgrund vollführt.

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