Bruderschaft II, § 766

Urusvati weiß, wieviele überholte Begriffe durch zweckmäßigere ersetzt werden müssen. Man darf nicht meinen, solche Begriffe hätten sich bereits in fernen Zeiten überlebt. Einige von ihnen sind noch nicht einmal hundert Jahre alt, ohne ihrer ursprünglichen Bestimmung noch dienen zu können. So ist beispielsweise das Wort ‘Spiritismus’ nicht alt, hat jedoch seinen Nutzen bereits verloren. Es hat sich als beschränkter und oberflächlicher Begriff erwiesen. Die Suche nach Wissen muss in Verbindung mit weitgefassten überirdischen Bereichen vorgenommen werden und darf sich nicht auf spiritistische Sitzungen beschränken, die doch nur wenig Wissen vermitteln. Psychische Forschungen hingegen geben den Boden für neue Erkenntnisse. Ebenfalls vermieden werden müssen absurde wissenschaftliche Konstruktionen, die nur den einheitlichen Korpus der Wissenschaft zerstückeln. So wird von Parapsychologie gesprochen. Wozu soll eine solche Konstruktion dienen, wenn der weite Bereich der Psychologie auch all solche scheinbaren Überbauten in sich aufnimmt? Auch die Metaphysik kann nur so lange existieren, als die Physik nicht hinreichend verstanden wird. Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, dass der Korpus der Wissenschaft ohne jegliche Notwendigkeit geteilt wurde. Gleichzeitig spricht man dann viel von Synthese, von der großen einen Energie, doch bleiben solche Worte nur leere Hüllen. Die Menschen ziehen es vor, sich in kleinen Bereichen der Spezialwissenschaften zu isolieren, die der übrigen Wissenschaft angeblich überlegen seien, anstatt bei den großen Aufgabenstellungen zusammenzuarbeiten. So ergeben sich spitzfindige, lange Bezeichnungen, die zu nichts dienlich sind. Natürlich weist jede Wissenschaft viele Teilbereiche auf, doch müssen sie Zweige eines einheitlichen Baumes sein. Die Menschheit durchlebt jetzt eine schreckliche Stunde, und es ist die Zeit wahrer Synthese gekommen. Ohne bewusste Zusammenarbeit wird man jetzt das in Stücke gerissene Wesen des Menschen nicht mehr zu einem Ganzen wieder zusammenfügen können. Mitarbeiter wird man ohne gegenseitiges Vertrauen nicht finden, doch dieses Vertrauen erwächst aus dem Gefühlswissen. Der Denker gebot Seinen Schülern, über den Ursprung des Gefühlswissens nachzudenken.

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