Urusvati weiß, dass Grausamkeit, Grobheit, Heuchelei und Lüge den Fortschritt der Menschheit behindern. Die Wissenschaft, stolz auf ihre Errungenschaften und Erfolge, verhilft nicht dazu, Menschlichkeit zu finden. Die Kunst erhöht das Bewusstsein nicht. Mit einem Wort: mit der Welt steht es ungünstig. Die Gesellschaftslehren weisen auf die Grundlagen des Fortschrittes hin, und nirgends sind Lobpreisungen der vier genannten Untugenden zu finden. In allen Hinweisen wird dagegen immer wieder hervorgehoben, wie notwendig der Aufstieg des menschlichen Bewusstseins ist. Die extremsten Lehren preisen die Lüge nicht. Doch haben weder Wissenschaft noch Kunst und Religion die dem Menschen wie Ketten anliegenden Untugenden ausgemerzt. Man muss hingegen daran erinnern, dass sowohl Wissenschaft als auch Kunst und Religion die primitivsten Erscheinungen sogar gefördert haben. Selbst gewisse philosophische Vereinigungen erörtern höhere Dinge und geben sich unmittelbar danach schändlichsten Untugenden hin. Man muss die Wurzel der gesellschaftlichen Krankheit genau betrachten. Allein eine Gesundung des inneren Lebens wird dazu verhelfen, auch die gesellschaftlichen Erscheinungen auf eine höhere Stufe zu heben. So ist, neben wissenschaftlicher Erkenntnis und den von der Kunst vermittelten kurzen Momenten der Begeisterung, Tapferkeit notwendig, um das innere Leben zu verbessern. Tapferkeit entwickelt auch Geduld. Ein Mensch, der dem Wesen nach geduldig ist, wird tapfer und ausdauernd sein. Wir müssen dem Chaos das Beste entgegenstellen, was in uns lebt und sich in uns offenbart. Allein durch solche Selbsttätigkeit vermag man unaufhörlich aufzusteigen. Die Menschen fürchten das Wort ‘Sittlichkeit’, sprechen aber gern von Sitten, geradezu als ob diese beiden Begriffe nicht ein und dieselbe Wurzel hätten. Das sittliche Wesen verändert sich jedoch nicht ohne Einwirkung auf das innere Leben. Der Denker lehrte: ‘ Die Sitten der Völker gestalten die Geschichte der Menschheit. Mögen diese Feuer hell leuchten!’