Bruderschaft II, § 275

Urusvati weiß von vielen Erscheinungen der psychischen Energie. Vergessen wir nicht, dass sich um diesen Begriff nicht wenige Missverständnisse ranken. Die einen verneinen die Existenz dieser Energie schlechthin. Andere meinen, dass sie in allen Beziehungen heilsam sei. Und dritte sind der Auffassung, dass die psychische Energie nur für wenige da sei. Natürlich lebt die psychische Energie in allem Existierenden, doch als Energie sind ihr auch alle Eigenschaften einer solchen eigen. Als Energie fungiert sie als Erreger und spannt sämtliche Zentren an. Wenn es im Organismus eine Erkrankung gibt, so vermag sie gerade durch diese Energie angespannt zu werden. Bis zu einem gewissen Grade kann man die Zielrichtung der psychischen Energie regulieren. Ein hoher oder konzentrierter Gedanke kann die Energie in einem anderen Kanal als dem vorherigen verlaufen und damit ihre heilende Eigenschaft zur Geltung kommen lassen. Hingegen verstärkt jegliche Lästerung oder ein zerstörerischer Gedanke nur noch die Anspannung der Energie in Richtung und zu Lasten des bereits angegriffenen Organs. Weise wird jener Arzt sein, der den Kranken auffordert, weder zu lästern noch zu fluchen. Oftmals haben Wir auf die heilsame Eigenschaft guter Gedanken hingewiesen, sie öffnen das Tor zur uranfänglichen Energie. Zurzeit werden viele Krankheiten als Neuralgie umschrieben, ein Zeichen dafür, dass die Menschen sich der uranfänglichen Energie annähern. Unfehlbar lässt sich sagen, dass der Verlauf jeder Erkrankung vom Zustand der psychischen Energie abhängt. Die Menschen aber wollen nicht verstehen, dass ihr freier Wille in der Anwendung der psychischen Energie als starker Impulsgeber fungiert. Je klarer der Mensch sich diesen Prozess vor Augen führt, desto mehr hilft er sich selbst. Im Altertum offenbarte man die Kraft der Mutter, die die Kraft der Energie darstellte. Sogar mit Nachdruck rief man: ‘Mutter, hilf!’ und rief damit eine starke Anspannung der Energie hervor. Ob die Hinwendung nun in lautstarker Weise oder leise erfolgt, erforderlich ist die bewusste Anrufung. Der Denker sprach: ‘Ich vermag mir vorzustellen, wie die Anrufung zur Erhabenen Mutter gelangt. Mit einer einzigen Bewegung Ihrer Hand lenkt Sie unsere Trauer in Richtung der Freude. In Sparta gibt es einen Tempel des Lachens, in dem man viele Krankheiten heilen kann. Glücklicherweise gibt es keinen Tempel des Spottes. Hütet euch vor Lästerungen!’

‹ § 274 · Inhaltsverzeichnis · § 276 ›