Bruderschaft II, § 270

Urusvati weiß, dass der freie Wille mit der im Innersten verborgenen uranfänglichen Energie wetteifert. Mitunter mag es so scheinen, dass der freie Wille ungehindert zu walten vermag, doch über die äußerste Willensanspannung hinaus tritt eine bestimmte Kraft auf, welche die Willensimpulse völlig umgestaltet. Ungeachtet des Verstandeswunsches weist das Lebenspendel auf eine unanfechtbare Entscheidung hin. Jeder gewissenhafte Beobachter kann bezeugen, dass dem persönlichen Gedanken keine letztendlich entscheidende Bedeutung zukommt. Über den auf die Alltagserfahrung gegründeten Willen hinaus offenbart sich eine andere, tiefgründige Weisheit, die in den Bewusstseinstiefen verborgen ist. Wenn der Mensch mit der Höheren Welt Berührung aufnimmt, so vollzieht sich dies nicht mittels Willensanspannung, sondern über den Weg des Tiefenbewusstseins, wo sich die reine uranfängliche Energie verdichtet. Leider erkennen die Menschen die Grenze zwischen dem freien Willen und der Macht der uranfänglichen Energie nicht. Sie nehmen an, dass die physische, willensmäßige Einflussnahme wirksamer und erfolgreicher sei. Bei jeder auf mechanischem Wege erreichten Entzückung oder Ekstase verstärken die Menschen auch die Ekstase des freien Willens, doch Wir sprachen bereits darüber, wie gefährlich solche Ekstasen sind. Der freie Wille kann von seinem Wesen her gar nicht in einen Wettstreit mit der uranfänglichen Energie treten. Solche Zweikämpfe können qualvoll und gar verderblich sein, was bedeutet, dass wir erneut zum goldenen Gleichgewicht gelangen müssen. Wie herrlich kann ein beweglicher freier Wille sein, der es lernt, die Weisheit zu erkennen, der man sich nicht widersetzen darf. Wenn der Mensch die Vernunft des Seins erkennt, so erkennt er auch die verborgenen Tiefen seines Selbst. Er lernt dann, die Kraft in sich zu verehren, die ihn zu den besten Ergebnissen geleitet. Das Glück der Menschheit besteht darin, dass sie die uranfängliche Energie als Besitztum trägt, und das Elend besteht darin, dass diese segensreiche Kraft nicht erkannt wird, sondern sogar verhasst ist. Möge man sich den entsetzlichen Zustand vorstellen, dass ein Mensch seine besten eigenen Schätze verwirft! Wenn ein Schwarzhaariger behaupten wollte, er sei blond, so wird man ihn für verrückt erklären, doch für genau dasselbe muss man jenen halten, der seine ureigenste natürliche Beschaffenheit entstellt. Die Menschen bezeigen eine gewisse Vorsicht gegenüber ihrem Herzen, weil man ihnen gesagt hat, es stelle den Mittelpunkt des physischen Lebens dar. Es ist jedoch noch nicht genügend über die Wechselbeziehung zwischen freiem Willen und der tiefverborgenen uranfänglichen Energie gesagt worden, was die betrüblichen Wettstreite bewirkt. Statt dass beide Kräfte in harmonischer Weise wirksam würden, wetteifern sie im Kampf miteinander. Eine der Ursachen für die Erkrankung des Planeten liegt in der mangelnden gegenseitigen Übereinstimmung der im Menschen angelegten Kräfte. Möge darüber nachgedacht werden. Der Denker erinnerte an zwei Wesensgrundlagen des Menschen: Verstand und Weisheit.

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