Gewohnheit ist die zweite Natur, besagt ein weises Sprichwort und verdeutlicht, wie sehr die Gewohnheit den Menschen beherrscht. Gerade Gewohnheiten machen den Menschen unbeweglich und unempfänglich. Gewohnheiten kann man unterdrücken, aber es ist nicht leicht, sie auszumerzen. Man kann immer wieder Menschen begegnen, die sich rühmen, Gewohnheiten besiegt zu haben. Beobachtet jedoch den Alltag dieser Sieger und ihr werdet finden, dass sie Gewohnheitssklaven sind. Sie sind von Gewohnheiten derart befallen, dass sie gegenüber der Last dieses Jochs sogar unempfindlich sind. Es ist besonders tragisch, wenn ein Mensch meint, von Gewohnheiten frei zu sein, in Wirklichkeit aber an sie gefesselt ist. Es ist äußerst schwierig, einen Kranken zu heilen, der seine Krankheit leugnet. Jeder kennt solche unheilbaren Menschen. Doch um den Begriff Bruderschaft in sich aufzunehmen, ist es unerlässlich, vorhandene Gewohnheiten zu meistern. Wenn Wir von Gewohnheiten sprechen, so meinen Wir nicht den Dienst am Guten, sondern die kleinen Gewohnheiten der Ichsucht. Bei Uns ist es Brauch, jene, die sich der Bruderschaft nähern, auf das Ablegen von Gewohnheiten zu prüfen. Diese Prüfungen müssen unverhofft erfolgen. Am besten ist es, mit kleinen Gewohnheiten zu beginnen. Der Mensch neigt dazu, diese stärker als etwas anderes zu verteidigen. Man betrachtet sie gleichsam als natürliche Eigenschaften, wie Geburtsmerkmale. Aber Neugeborene haben keine Gewohnheiten. Atavismus, die Familie sowie die Schule fördern das Einwurzeln von Gewohnheiten. In jedem Fall ist eine alltägliche Gewohnheit ein Feind der Evolution.