Bruderschaft I, § 188

Die Heilige Lehre kann nicht auf einer Stufe erstarren. Es gibt nur eine Wahrheit, aber jedes Jahrhundert und sogar jedes Jahrzehnt nähert sich ihr auf eigene Weise. Werden neue Schriftrollen entrollt, beachtet das menschliche Bewusstsein die Erscheinungen des Universums auf eine neue Weise. Auch die Wissenschaft entdeckt auf ihren Wanderungen neue Verbindungen. Laut diesen Entdeckungen werden die früher verkündeten Grundlagen bestätigt. Jede Übermittlung der Großen Weisheit ist unbestreitbar, aber sie wird ihre eigenen Anhänger haben. Wer die Hierarchie ehrt, der achtet auch Ihre Boten. Die Welt lebt durch Bewegung, und das Erscheinen der Heiligen Lehre wird durch den Fortschritt hervorgerufen. Die Einfältigen nennen dieses Voranschreiten eine Verletzung der Grundlagen, aber die Denker wissen, dass Leben Bewegung ist. Auch Sprachkenntnis steigert den Fluss neuer Entdeckungen. Um wieviel mehr wird dann der entfesselte Gedanke zuführen! Jedes Jahrzehnt enthüllt einen neuen Zugang zur Heiligen Lehre. Vor einem halben Jahrhundert lasen die Leser sie ganz anders. Im Vergleich zu ihnen haben die gegenwärtigen Leser völlig andere Gedanken in den Vordergrund gerückt. Man sollte nicht von n e u e n Lehren sprechen, denn es gibt nur eine Wahrheit! Neue Angaben und neues Empfinden derselben werden nur die Vertiefung der Erkenntnis sein. Jeder, der diese Erkenntnis verhindert, verübt ein Vergehen an der Menschheit. Die Anhänger der Heiligen Lehre werden den Pfad des Lernens nicht behindern. Sektierertum und Fanatismus sind auf den Wissenspfaden unangebracht. Wer immer es zustande bringt, Erkenntnis zu verhindern, ist kein Anhänger der Wahrheit. Das Zeitalter der Veränderungen der Völker muss besonders der Wissenschaft jeden Weg ebnen. Das Zeitalter der Annäherung gewaltiger Energien muss diesen leuchtenden Pfaden aufgeschlossen begegnen. Das Zeitalter des Strebens in die höheren Welten muss sich dieser Aufgabe würdig erweisen. Streit und Zank sind das Los jener, die Unordnung schaffen.

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