Bruderschaft I, § 166

Lasst uns den Unterschied zwischen Zusammenarbeit und Bruderschaft erneut bestätigen. Ich stelle hierüber Befremden fest, als wären diese zwei Begriffe gleich. Ihre Stufen aber sind verschieden. Zusammenarbeit äußert sich unbedingt in äußerer Tat. Bruderschaft aber wird im Bewusstseinsinnern begriffen. Mitarbeiter können sich nach errungenen Bewusstseinsgraden unterscheiden, während Brüder einander genau dem Bewusstsein gemäß fühlen werden. Brüder mögen vielleicht nach außen hin nicht zusammenarbeiten, im Denken aber werden sie fest miteinander verbunden sein. Sie sind ungezwungen verbunden. Ihre Verbundenheit wird weder ein mühsames Joch noch eine Knechtschaft sein. Gerade diese Brüder werden jedoch Einheit als gewaltige Triebkraft für das Wohl der Welt verstehen. Diese Einheit kann nicht begrenzt werden; denn ihre Grundlage ist die Liebe. Diese Zusammenarbeit ist eine Vorbereitung für die Verwirklichung der Bruderschaft. Die Menschen können die Grenzlinie, die an der äußeren Tätigkeit endet und wo die unsichtbaren Fundamente beginnen, oft nicht wahrnehmen. Glaubt nicht, es wäre überflüssig, die Grundsätze der Bruderschaft zu bestätigen. Es ist kaum zu fassen, welch falsche Vorstellungen in Gesprächen über die Bruderschaft zutage treten. Unvorbereitete Menschen meinen, Bruderschaft wäre eine Legende und jeder könne auf seine Weise Gespenstertürme bauen. Sie meinen, unbeglaubigte Zeugnisse über die Bruderschaft können den Verstand nicht überzeugen, es will sie jedoch niemand überzeugen. Ebenso zwingt sie niemand zur Zusammenarbeit. Die Menschen selbst erkennen die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Auf die gleiche Weise werden sie die Wirklichkeit der Bruderschaft erkennen.

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