Bruderschaft I, § 134

Menschen, in denen das brüderliche Element der Zusammenarbeit verankert ist, können von klein auf beobachtet werden. Sie unterscheiden sich gewöhnlich stark von ihrer Umgebung. Sie verfügen über eine sehr gute Beobachtungsgabe und sind für Eindrücke sehr empfänglich. Sie geben sich nicht mit Mittelmäßigkeit zufrieden und stehen den allgemein üblichen Vergnügungen meist fern. Sie erwecken den Eindruck, als erfüllte sie gleichsam eine innere Aufgabe. Sie nehmen viel wahr und prägen es ihrem Bewusstsein ein. Sie sind gewöhnlich sehr mitfühlend, als ob sie sich des Wertes dieser Eigenschaft erinnerten. Sie empören sich über grobes Benehmen, als ob sie sich der ganzen Gemeinheit dieser Eigenschaft bewusst wären. Sie konzentrieren sich auf ihre Lieblingsthemen. Sie sind von Neid und Böswilligkeit umgeben, weil sie den Menschen fremd und unverstanden bleiben. Es ist nicht leicht, ein Leben höheren Bewusstseins zu führen, denn inmitten allgemeiner Verneinung von allem, was zum Lichte führt, fühlt man sich unzufrieden. Diesen Auserwählten begegnet man nicht oft. Sie werden oft nicht erkannt. Ihr Traumbild ist von weit her und dünkt anderen Menschen gleichsam als Wahnsinn. Von alters her kennt man die Bezeichnung ‘heiliger Wahnsinn.’ Weisheit wird laufend als Wahnsinn bezeichnet. Ebenso bezeichnen die Menschen ein erhabenes Bewusstsein. Betrachten wir diese Grundsätze nicht als allgemein bekannt, denn sie bleiben wirklich für ganze Zeitalter missachtet. Daher prägt sich der Begriff Bruderschaft schwer ins Bewusstsein ein.

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