AUM, § 112

Es wird richtig verstanden, dass sogenannte heilige Tiere keine Gottheiten waren, sondern eine natürliche Auswirkung örtlicher Umstände. Auch jetzt sprechen die Menschen oft von heiliger Verpflichtung und meinen damit keinen religiösen Ritus, sondern eine nützliche sittliche Handlung. Die Verhältnisse des Altertums erforderten oftmals eine besondere Beachtung mancher Tiere oder Bäume und Pflanzen. Heiligkeit bedeutet Unverletzbarkeit. Auf diese Weise wurde manches Seltene und Notwendige bewahrt. Eben diesen Schutz nennen die heutigen Menschen ‘Konserviertes.’ Daher muss man sich gegenüber unklaren Begriffen sehr vorsichtig verhalten. Auf dem Gebiete der Religion ist sehr vieles hinzugefügt worden, so dass oberflächliche Beobachter wegen der weit zurückliegenden Zeit völlig unfähig sind, das Fundamentale von den Schichten rundherum zu unterscheiden. Der Tempel ist jetzt sogar ein Sammelplatz, wo während der Zeremonien Tauschhandel und Verkauf getrieben wird und örtliche Angelegenheiten besprochen werden. Die gleiche Anhäufung von Verwirrungen findet noch immer statt. Seien wir daher gegenüber dem Begriff ‘heilige Tiere’ und anderen lange vergessenen archaischen Symbolen nicht übertrieben streng.

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